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Berlin auf dem Rückweg zur Vernunft

Love Parade

Ein Weilchen ist es schon her - doch die Freude dauert noch an: Nicht nur die Berliner Ökos, nein, überraschend viele "normale" Berliner freuten sich, daß die überheblichen, eingebildeten und rücksichtslosen Love-Parade-Macher von Planetecom endlich etwas auf die Schnauze bekommen haben. Ja! Das tat gut!

Doch warum diese einhellige Freude, die zum Teil auch langjährige Love Parade-Fans erfaßte? Eine Tatsache, die beachtenswert ist und zum Nachdenken anregt...

Wohl kaum, weil die Berliner die Loveparade partout nicht haben wollen - nein! Es wäre wohl schon sehr bedauerlich und ein großer Verlust, wenn die Love Parade in eine andere Stadt abwandern würde. Sie gehört nach Berlin und ist mittlerweile eine feste Berliner Angelegenheit. Eben so, wie der Karneval der Kulturen oder andere über Jahre hinweg etablierte Großveranstaltungen.

Doch genau das ist der Punkt: Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen hatten die Planetcom-Macher es jahrelang nicht nötig, die Kosten der Veranstaltung zu tragen, während sie die Knete einstrichen und so schamlos den armen barmherzigen Samariter vorrechneten, daß es jedem Taschenrechner die Schamesröte ins Display trieb. Jahrelang hielten sie es in keinster Weise für nötig, auf die berechtigten Belange der Umweltschützer auch nur ansatzweise einzugehen. Jahrelang haben die Planetcom-Macher arrogant vor sich hingewurschtelt, als ob sie die Kings von Berlin wären. Und der immer wieder dahergebetete Status einer politischen Friede-Freude-Eierkuchen-Demonstration erschien jedem Grundschüler so plump haltlos, daß wohl noch nicht mal die geblendete Berliner Politik, sondern nur Dr. Motte höchstselbst daran geglaubt haben könnte. Wenn überhaupt.

Wer jahrelang derart arrogant agiert, kriegt doch irgendwann mal die Abrechnung. Und das freut Berlin, denn es trifft die Richtigen. Nun haben sie die Quittung - weil sie zu blöde oder arrogant waren, die eigene Veranstaltung rechtzeitig anzumelden. Weil sie zu überzeugt von sich selbst waren, um zu erkennen, daß auch sie nur eine von vielen Veranstaltungen sind. Weil sie sich für die unantastbar Größten der Größten gehalten haben, denen Berlin zu Füßen liegt. Welch Anfängerfehler! Yeah!

Und da werden selbst hartgesottene Love-Parade-Propheten wie der Verband der Berliner Hoteliers oder Berlin Partner, die Hauptstadt-Marketing-Agentur, zu Recht sauer auf Planetcom, schließlich fällt die arrogante unfähige Provinzialität von Planetcom nun auf das Gesamtbild von Berlin zurück. Und wird teuer.

Die Love Parade findet nun statt - und das ist gut so, auch das freut natürlich. Aber der bislang so unerschütterbare Fels in der Brandung, das Unantastbare der Love Parade ist gebrochen - der Weg zu einem zukünftig vernünftigen Umgang mit der Veranstaltung ist frei. Berlin tritt den Rückweg zur Vernunft an und denkt nach über den Status der Parade. Andere Trassen sind im Gespräch, Ausweichrouten innerhalb oder außerhalb des Tiergartens. Und: Zum ersten Mal diskutieren dabei auch ernsthaft die Macher von Planetcom mit. Ein Verdienst und Erfolg der Naturschützer.

Den Planetcom-Machern scheint ein Licht aufzugehen, daß sie die Love Parade mehr im Miteinander mit den Berlinern organisieren müssen. Wir wollen sie, aber wir wollen sie vernünftig - die Love Parade ist ein Berliner Merkmal. Eins unter vielen. Nicht mehr und nicht weniger. Danke, liebe Bürgerinitiativen!

Peer Heinlein ist Betreiber von JPBerlin - Mailbox und politischer Provider

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