"Jeanny"
Unterstützung für Verein gegen Kindesmissbrauch
Vera Falck, Sprecherin der Hamburger Initiative, sagte der Nachrichtenagentur ddp, mit dem erwarteten Geld solle die Musiktherapie für sexuell misshandelte Kinder fortgesetzt werden. Acht Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren versuchten derzeit in Begleitung von zwei Therapeutinnen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Über Klang, Melodie, Dynamik und Rhythmus könnten die Kinder Gefühle und Stimmungen nonverbal mitteilen und ihre Ängste und Unsicherheiten überwinden lernen.
Der Verein "Dunkelziffer" bietet ein weitgefächertes Angebot für sexuell misshandelte Kinder. Große Nachfrage bestehe nach einer Gesprächstherapie für Kinder, sagte Falck. Besonderen Wert legt sie neben der Betreuung aber auf Präventionsarbeit. Mit dem Theaterstück "Mein Körper gehört mir" sollen sich Kinder ab acht Jahren in Grundschulen mit der Problematik auseinandersetzen, sagte Projektleiterin Carmen Kerger. Die Kleinen sollen für die Thematik sensibilisiert werden, sie sollen Mut und Selbstbewusstsein aufbauen, sich gegen mögliche Übergriffe zu wehren und Hilfe zu holen. "Kinder werden oft bedroht und unter Druck gesetzt, wenn sie missbraucht werden", erklärte Kerger. Die Verantwortung für die Tat werde häufig auf das Kind geschoben. Wenn es die eigene Familie betreffe, werde dem Kind fast nie geglaubt, wissen Pädagogen von "Dunkelziffer" zu berichten. Doch das Schweigen schütze nur den Täter und isoliere das Kind.
Dass Präventionsarbeit bitter nötig ist, weil die Kinder eben unsicher sind, zeigt auch das jüngste prominente Beispiel von Xavier Naidoo. Der Musiker offenbarte vor kurzem in einer TV-Sendung, als Zehnjähriger selbst sexuell missbraucht worden zu sein. "Ich musste keine Klamotten ausziehen, ich habe nur die Hände von ihm gespürt", sagte der Musiker. Er habe gemerkt, dass etwas schief laufe, aber nicht gewusst, wie er da herauskommen sollte. Am Ende seien die typischen Sprüche von dem Täter gekommen, dass das jetzt ihr Geheimnis sei und nicht verraten werden dürfe. Jahrelang habe er alles für sich behalten und erst als Erwachsener seiner Mutter davon erzählt.
Weil es häufig so lange dauert, bis sich ein Kind überhaupt traut zu reden und sich an einen Erwachsenen wendet, empfiehlt "Dunkelziffer" fünf Dinge: Sagen Sie dem Kind bei einer solchen Offenbarung, dass Sie ihm glauben. Erklären Sie, dass Sie froh sind, dass das Kind damit zu Ihnen gekommen ist. Sprechen Sie Ihr Mitgefühl dafür aus, was dem Kind passiert ist, und erklären Sie ihm, dass es keine Schuld an dem Geschehen habe. Danach sollten Erwachsene gemeinsam mit dem Kind Hilfe suchen.
Am wichtigsten sei jedoch, den Schülern der dritten und vierten Klasse zu vermitteln, ob sie ein Ja- oder ein Nein-Gefühl haben, wenn sie jemand berührt. Denn ihr Körper sei ihr Eigentum, und nur sie wüssten, wie sie sich dabei fühlten.
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Am 24. Jun. 2001 unter:
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« Zugunglücke waren nicht Schuld der Bahn
Piraten erobern Rügen »

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