Zuwanderungsdebatte

PDS-Fraktion verabschiedet eigenes Konzept

Die PDS-Fraktion hat Eckpunkte eines eigenen Zuwanderungskonzeptes präsentiert. Darin fordert die Partei offene Grenzen für Menschen in Not sowie ein individuelles Recht auf Einwanderung. Das Konzept breche mit der Vorstellung vom "Ausländer als Gast und Lückenbüßer für Arbeitsmarktengpässe" sowie vom "Ausländer als potenzieller Bedrohung der inneren Sicherheit", sagte am Mittwoch in Berlin PDS-Fraktionsvize Petra Pau. Das Papier, das zuvor gut neun Monate lang diskutiert worden war, war am Dienstag in der Fraktion mit 16 Ja-, neun Gegenstimmen und zwei Enthaltungen verabschiedet worden.

"Wir verkennen aber nicht die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung", sagte Pau. Die PDS wolle nicht offene Grenzen für alle, aber einen individuellen Rechtsanspruch auf Einwanderung. Das will die Partei nicht mit Quoten, sondern bestimmten Kriterien durchsetzen. Demnach darf einwandern, wer völkerrechtliche Ansprüche geltend machen kann, in Deutschland ein Studium oder eine Ausbildung beginnen, beziehungsweise ein Unternehmen gründen will, einen Arbeitsplatz vorweisen oder seinen Lebensunterhalt anders bestreiten kann.

Das Konzept sieht zudem vor, das nach Ansicht der PDS undurchsichtige Aufenthaltsrecht zu "entrümpeln". Das geltende Ausländer- und Asylrecht müsse durch ein neues Flüchtlings- und Einwanderungsrecht ersetzt werden. Eine Grundgesetz-Änderung ist aber zunächst nicht vorgesehen. In dem Papier werden auch die Kommunen in die Pflicht genommen, die den Migranten die Eingliederung in das gesellschaftliche Leben erleichtern sollten. Bildungseinrichtungen müssten sich besser auf interkulturelle Angebote einrichten. Zudem sind nach Ansicht der PDS die Deutschkurse für Ausländer eine kommunalpolitische Aufgabe. Dabei setzt die Partei auf Anreize: Wer Bemühungen zum Erlernen der deutschen Sprache nachweise, könne länger nach Arbeit suchen.

Strittig sei in der Fraktion der Passus mit Kriterien für Einwanderung auf Zeit gewesen. Dies will die PDS solchen Ausländern ermöglichen, die eine sozialversicherungspflichtige und tariflich oder ortsüblich entlohnte Beschäftigung suchen möchten - unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Qualifikation. "Wir wollen keine Migration in Arbeitslosigkeit", betonte Pau.

Das Papier soll als Grundlage für weitere Diskussionen dienen und dem Parteivorstand am 2. Juli vorgelegt werden. "Wir sind offen für Veränderungen, wenn es bessere Argumente gibt", sagte Fraktionschef Roland Claus. Keine Verhandlungsmasse sei jedoch die Forderung nach offenen Grenzen für Menschen in Not.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!