Atomkonsens
Kritik an Bestandsgarantien für Atomkraftwerke
Harms fügte hinzu, der Atomkonsens habe den Konflikt um den Standort Gorleben nicht befrieden können. Auch hätten die Grünen keine Zugeständnisse bei der atomaren Wiederaufbereitung und bei der Förderung von Strom aus der Kraft-Wärme-Kopplung durchzusetzen können. "Es gab keine optimale Strategie", räumte die Grünen-Politikerin ein.
Harsche Kritik kam von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Vereinbarung habe nichts mit einem tatsächlichen Atomausstieg zu tun, sagte Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse der ddp in Hamburg. Vielmehr sichere die Regierung den Kraftwerksbetreibern den Weiterbetrieb ihrer Anlagen zu. Ochse kritisierte außerdem das Verfahren zur Einigung beim Atomausstieg. Durch das Zugeständnis, zunächst der Industrie und dann erst dem Kabinett die Novelle des Atomgesetzes vorzulegen, sei die Regierung "erpressbar". Mit der Festschreibung des Atomausstiegs am 11. Juni würden nun nachträgliche Änderungen durch das Parlament nahezu unmöglich, ohne den Konsens zu gefährden, sagte die Greenpeace-Expertin.
Der Atomindustrie hielt Ochse vor, auf Zeit zu spielen. Die vereinbarten Laufzeiten je Kraftwerk von 32 Jahren umgerechnet auf eine Gesamtstrommenge sichere ihnen einen so langen Betrieb zu, dass sie auf eine Wiedereinstieg hofften. Dies räumten die Konzerne auch offen ein. Durch die Zusicherung der Restlaufzeiten falle es den Betreibern der Kraftwerke zudem "leicht", eine drohende Abschaltung wegen technischer Störungen als "Schikane" hinzustellen, sagte die Greenpeace-Expertin.
Der Atomkonsens wurde am 15. Juni 2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Vertretern der Energiekonzerne vorgestellt. Die endgültige Unterzeichnung ist für den 11. Juni angekündigt.
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