Justiz
Deutsche Staatsanwälte haben keine Lust auf Bearbeitung von Leuna-Akten
Ein Sprecher des Bundesjustizministerium bestätigte in Berlin, dass sein Haus das Schweizer Bundesamt für Justiz gebeten habe, der Bundesanwaltschaft Akten zu Leuna zur Verfügung zu stellen. Die Schweizer Behörde habe seinem Ressort die Unterlagen am 26. Juni angeboten. Das Bundesjustizministerium habe daraufhin um die Übersendung der Akten an die Bundesanwaltschaft gebeten.
Die Karlsruher Strafverfolger müssen nun untersuchen, ob sie gegebenenfalls selbst Ermittlungen vornehmen oder die Akten an andere Staatsanwaltschaften weiterleitet. Der Ministeriumssprecher verwies darauf, dass das Material nach Schweizer Angaben Hinweise auf Straftaten deutscher Staatsbürger enthalten könne.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" handelt es sich bei den Unterlagen um mehr als 60 Aktenordner. Bereits seit längerem bemühten sich die Schweizer, deutsche Staatsanwälte zu Ermittlungen über die Leuna-Millionen zu bewegen. Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa ermittele in der Affäre wegen des Verdachts der Geldwäsche, der Urkundenfälschung und des Betrugs. Dabei hätten die Schweizer auch die Rolle des Leuna-Lobbyisten Dieter Holzer und des flüchtigen ehemaligen Rüstungs-Staatssekretärs Ludwig-Holger Pfahls untersucht.
Nach den Worten des Grünen-Parlamentariers Christian Ströbele wird der Ausschuss in den nächsten Tagen beschließen, die Akten beizuziehen. Ströbele betonte zugleich, die Bundesanwaltschaft müsse umgehend den Hinweisen aus den Schweizer Akten nachgehen und feststellen, auf welche Konten und an welche Personen in Deutschland "die Millionen-Zahlungen von Elf Aquitaine über die Schweiz geflossen" seien.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler forderte eine "sofortige Entscheidung über die Zuständigkeit der Justiz". Am besten wäre das Ermittlungsverfahren bei der Bundesanwaltschaft aufgehoben, betonte er. Dann müssten die Schweizer Akten zum Korruptionsverdacht bei der Leuna/Minol-Privatisierung unverzüglich dem Untersuchungsausschuss zur Verfügung gestellt werden. Die PDS-Parlamentarierin Evelyn Kenzler nannte die "schnellstmögliche Befassung zur Beiziehung" der Akten durch den Ausschuss noch während der Sommerpause als "dringlich".
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Am 15. Jul. 2001 unter:
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