Genua
Nach Polizeischüssen brutale Razzia gegen friedliche DemonstrantInnen
In der Nacht von Samstag auf Sonntag stürmte die Polizei die beiden Gebäude, in denen unter anderem unabhängige Medien, zahreiche Non-Vilolent-AktivistInnen und eine Rechtshilfe untergebracht waren. Die Polizei stürmte zunächst das Gebäude, welches dem gegenüber lag, in dem Indymedia untergebracht ist. Dabei wurde nach Augenzeugenberichten sofort mit einer unglaublichen Brutalität auf Schlafende eingeschlagen und eingetreten. Viele Wände und Heizungen seien mit Blut beschmiert.
In einer Zusammenfassung von Indymedia-Österreich steht: "Am krassesten war aber das Vorgehen der Polizei gegen 50 AktivistInnen, die gegenüber dem Medienzentrum, in einer, von der Stadt zur Verfügung gestellten, Schule übernachten wollten. Fast alle der in diesem Gebäude befindlichen Personen musste nach dem Polizeieinsatz - viele hatten Knochenbrüche oder stark blutende Verletzungen am Kopf erlitten - ins Krankenhaus eingeliefert werden. Noch stunden nach dem Einsatz ist die Schule eher mit einem Schlachtfeld vergleichbar: eingeschlagene Fensterscheiben, zerstörte Türen und der Boden voll von Blut."
Vieles spricht dafür, dass diese Polizeiaktion von ganz oben angeordnet worden war. So waren Abgeordnete vor Ort. Später sei sehr viel staatstreue Presse hinzugekommen. Im Gebäude, in dem Indymedia und das Rechtshilfebüro untergebracht waren, sei es "nicht ganz so schlimm" gewesen. Ein Indymedia-Reporter aus England sei schwer verletzt, Computer, Technik, Mobilar zerstört worden.
Bei der Razzia soll Bildmaterial beschlagnahmt worden sein, das belege, dass staatliche "Agent Provokateure" die gewalttätigen Auseinadersetzungen mitinszeniert haben.
Mit "Mörder, Mörder"-Rufen waren Zehntausende bei der Demonstration am Samstag durch Genua gezogen, bevor auch diese an einer Stelle in Straßenkämpfe ausartete. Die Polizei trieb daraufhin die gesamte Demonstration laut Agenturberichten mit Tränengas und "auch sonst nicht gerade zimperlichen Mitteln" auseinander. Die Einsatzstrategie der Polizei, die häufig gewalttätige DemonstrantInnen so lange gewähren ließ, bis die Gewalt weiter um sich gegriffen hatte, um dann umso härter gegen alle Demonstranten - friedliche wie unfriedliche - vorzugehen, ist in Genua auch von vielen Journalisten und unabhängigen Beobachtern kritisiert worden.
In Deutschland gab es am Wochenende in mehreren Städten spontane Demonstrationen nach der Todesnachricht aus Genua. Dort war am Freitag ein junger Mann bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Globalisierungsgegnern ums Leben gekommen. Bei einem Schweigemarsch durch die Bonner Innenstadt gedachten am Samstag rund 200 Globalisierungsgegner des getöteten Demonstranten. In Hamburg und Magdeburg warfen Demonstranten am Freitagabend Scheiben von Großbanken ein, bei Auseinandersetzungen mit der Polizei wurde ein Beamter in Magdeburg leicht verletzt. Weitere Demonstrationen gab es in Köln, Göttingen, Bielefeld, Heidelberg und im sachsen-anhaltischen Burg.
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