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Bayer stoppt Cholesterinpräparate wegen Todesfällen

Pharmaindustrie

Nach mehreren Todesfällen stoppte der Chemie- und Pharmakonzern Bayer jetzt die Vermarktung der Medikamente Baycol und Lipobay zurück. Die Medikamente zur Cholesterinsenkung würden vom Markt genommen, da es "vermehrte Nebenwirkungsmeldungen" über das Auftreten der Muskelschwäche Rhabdomyolyse gebe, teilte der Konzern in Leverkusen mit. Insbesondere sei dies bei Patienten der Fall, die Baycol in Verbindung mit dem ebenfalls zur Cholesterinsenkung verschriebenen Wirkstoff Gemfibrozil eingenommen hätten. Bei der Rhabdomyolyse handele es ich um einen Verfall des Muskelgewebes, der schwere und sogar tödliche Folgen haben könnte, erläuterte Ulrich Hagemann, Experte für Arzneimittelsicherheit beim Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und medizinische Produkte.

Wie viele Geschädigte es gebe, konnte David Ebsworth, Leiter des Bayer-Geschäftsbereichs Pharma, nicht sagen. Weltweit seien bislang etwa sechs Millionen Menschen mit Baycol/Lipobay behandelt worden, das erstmals 1997 auf den Markt gekommen sei. Ob die Präparate jemals wieder vermarktet werden könnten, hänge vom Verlauf der Diskussionen mit den zuständigen Behörden ab.

Zwar schloss Bayer-Finanzvorstand Werner Wenning aus, dass Bayer wegen der Vorfälle mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden könnte. Für das Unternehmen ist die Rücknahme von Baycol und Lipobay dennoch ein schwerer Schlag. Der Stopp wird das Ergebnis des Konzerns im laufenden Jahr Wenning zufolge mit 600 bis 650 Millionen Euro (rund 1,2 bis 1,3 Milliarden Mark) belasten. Die bisherige Ergebnisprognose für das Gesamtjahr werde voraussichtlich "ganz erheblich unterschritten", sagte Wenning. Bislang hatte Bayer ein Ergebnis von rund drei Milliarden Euro ohne Sonderposten aus dem fortzuführenden Geschäft in Aussicht gestellt.

Wenning kündigte eine Überprüfung der gesamten Konzernstrategie sowie Maßnahmen zur Kostensenkung an. Im vergangenen Jahr waren die Cholesterinsenker mit einem Umsatz von 636 Millionen Euro (gut 1,2 Milliarden Mark) an den Pharmaerlösen beteiligt und rangierten damit noch vor dem Kopfschmerzmittel Aspirin an dritter Stelle der bestverkauften Medikamente. Für das laufende Jahr rechnete Bayer bislang mit einem Umsatzbeitrag von rund einer Milliarde Euro. Vom Rückruf nicht betroffen ist lediglich Japan, da dort der Wirkstoff Gemfibrozil Bayer zufolge nicht im Handel ist.

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