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Bayer droht größter Schadensersatzfall der Geschichte

52 Todesfälle

Dem Bayer-Konzern droht wegen des Lipobay-Skandals möglicherweise der größte Schadensersatzfall in der Geschichte der Pharma-Industrie. Dies ergibt sich nach Einschätzung des amerikanischen Opferanwalts Ed Fagan aus der Tatsache, dass allein auf die USA bezogen 700.000 Menschen das Medikament eingenommen hätten. Weltweit seien es Millionen. Lipobay wird mit bislang 52 Todesfällen in Verbindung gebracht. Der Leverkusener Konzern wies in einem Brief an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Kritik an seiner Informationspolitik zurück. Das Ministerium bekräftigte daraufhin seine Vorwürfe.

Bayer hatte das cholesterinsenkende Medikament Lipobay in der vergangenen Woche vom Markt genommen, nachdem bekannt geworden war, dass Patienten an den Nebenwirkungen des Mittels gestorben waren. Der Münchner Anwalt Michael Witti kündigte unterdessen an, auch Deutsche in die US-Sammelklage gegen den Bayer-Konzern einbeziehen zu wollen.

Der Pharmakonzern betonte, er habe immer "im Interesse der Patientensicherheit" gehandelt und Behörden über neue Erkenntnisse zu Nebenwirkungen rechtzeitig informiert. Der Leiter des Geschäftsbereichs Pharma, David Ebsworth, betonte, zuständig für Lipobay sei die englische Gesundheitsbehörde MCA. An sie seien im Februar erste Daten einer von Bayer in Auftrag gegebenen Studie wie auch der Endbericht am 15. Juni umgehend weitergeleitet worden. Auch am Vorabend des Vermarktungsstopps sei die britische Gesundheitsbehörde informiert worden.

Das Berliner Gesundheitsministerium bekräftigte indes seine Kritik an dem Pharma-Konzern. Bayer hätte gemäß dem Arzneimittelgesetz unverzüglich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informieren müssen. Dies gelte auch für Arzneimittel, die im "dezentralen Gemeinschaftsverfahren" zugelassen worden sind.

Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, hatte schon am Donnerstag kritisiert, dem Unternehmen habe bereits am 15. Juni eine Studie über mögliche Gefahren des Medikaments vorgelegen. Die Expertise sei dem Bundesinstitut aber erst auf Nachfrage am 10. August zugestellt worden, zwei Tage nach der Zurückziehung des Präparats. Dies sei "unakzeptabel".

Dem gegenüber stellte sich der traditionell konzernfreundliche NRW-Regierungschef Wolfgang Clement (SPD) demonstrativ hinter die weltweit in die Kritik geratenen Bayer AG. Das Bundesland werde nicht zulassen, dass die jahrzehntelangen Leistungen der Pharmakologen und Forscher "herabgeredet" werden. "Wir werden auch nicht hinnehmen, wenn aus durchsichtigen Gründen jetzt von Dritten versucht wird, aus der schwierigen Situation Kapital zu schlagen", fügte der Düsseldorfer Regierungschef hinzu.

Die CDU-Politiker Wolfgang Lohmann und Ulf Fink nannten Bayers Informationspolitik hingegen "in der internationalen und europäischen Zusammenarbeit unzureichend".

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