Kein "blindwütiges Draufschlagen"
Friedensbewegung kündigt Großdemonstration gegen Rachefeldzug an
Dr. Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, machte auf dem Treffen darauf aufmerksam, dass nach der "Wucht des Terrors" nun eine "Wucht des Krieges" bevorstünde, woraus sich eine unheilvolle Spirale der Gewalt und Verwüstung entwickeln könne, worunter vor allem die Zivilbevölkerung leiden würde. Wenn es der Menschheit nicht gelänge, die drohenden Rachefeldzüge der USA zu verhindern oder zu stoppen, drohe das 21. Jahrhundert zu einer "Epoche des permanenten Kriegszustandes" zu werden.
Vehement wandte sich Strutynski gegen die von US-Präsident Bush errichtete neue Doktrin, wonach man entweder auf Seiten der USA sei oder an der Seite der Terroristen. In dieses "einfältige Schwarz-Weiß-Schema" lasse sich die Friedensbewegung nicht zwängen. Sie halte auch weiterhin an ihrer Position fest, dass Terror nicht mit Krieg beantwortet werden dürfe. "Bestrafung: ja, Rache und Vergeltung: nein!"
Prof. Dr. Werner Ruf von der Universität Kassel beschrieb die gegenwärtige weltpolitische Situation als äußerst bedrohlich. Die Terroranschläge vom 11. September hätten eine völlig neue Dimension des internationalen Terrorismus aufgezeigt. Klar geworden sei aber auch, dass es keinen vollständigen Schutz vor solchen menschenverachtenden Wahnsinnstaten gebe. "Da helfen auch keine Milliardeninvestitionen in den Ausbau des Militärs und der Geheimdienste."
Ruf warnte auch eindringlich davor, die Welt in eine "gute" und "böse", in eine "zivilisierte" und eine "barbarische" Welt aufzuteilen, wozu die US-amerikanische Regierungspropaganda neige. Insbesondere der Islam sei - entgegen einer weit verbreiteten Meinung - eine Weltreligion, die sich durch Toleranz und Solidarität auszeichne und deshalb auch in keiner Weise für den Terrorismus verantwortlich gemacht werden könne. Zu befürchten sei aber, dass große Teile der islamischen Welt bei US-Kriegshandlungen gegen Afghanistan und/oder andere Länder des Nahen/Mittleren Ostens in Kriege und Bürgerkriege hinein gezogen werden würden.
Die 150 Repräsentanten der Friedensbewegung waren sich einig in der Ablehnung von vorschnellen, vor allem militärischen Antworten. Bei den vielen Gesprächen und Begegnungen der letzten Tage habe sich gezigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht kriegsbereit ist. Die vom Bundeskanzler versprochene "uneingeschränkte Solidarität" mit den USA dürfe sich auf keinen Fall auf militärische Optionen beziehen.
Für notwendig erachtet wird die intensive Diskussion mit und in großen gesellschaftlichen Gruppen wie den Kirchen, Gewerkschaften, ausländischen Vereinen und nicht christlichen Religionsgemeinschaften. Darüber hinaus wurden bereits Kontakte zu Gruppen der Dritte-Welt-Bewegung und der Globalisierungskritiker hergestellt.
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