Spiegel

Ermittlungen gegen Zwangsarbeiter-Stiftung nach Kurssturz des Sloty

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt nach einem Bericht des "Spiegel" wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue gegen den Vorstand der Zwangsarbeiter-Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". Die Bundesstiftung stehe im Verdacht, beim Umtausch von über 1,3 Milliarden Mark in polnische Zloty einen Schaden von mindestens 183 Millionen Mark verursacht zu haben, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin.

Dem Bericht zufolge erstattete das Kuratoriumsmitglied der Stiftung, Lothar Evers, die Anzeige. Die Staatsanwälte ermittelten nun gegen den Stiftungsvorsitzenden Michael Jansen und Abteilungsleiter Jan Dreher.

Die Organisation, die für die Auszahlung von zehn Milliarden Mark an ehemalige Zwangsarbeiter aus der Nazi-Zeit verantwortlich ist, hatte die 1,3 Milliarden Mark im Juni in Zloty umgetauscht - als die polnische Währung im Verhältnis zum Euro so hoch stand wie noch nie. Absicherungen gegen den darauf folgenden Währungsverfall wurden dem Magazin-Bericht zufolge nicht getroffen. Auf Grund dieser "gesetzwidrigen" Aktion seien jedem der Nazi-Opfer fast 2.500 Mark entgangen, zitiert das Blatt Lothar Evers. Nun seien Schadensersatzforderungen absehbar.

Jansen wies darauf hin, dass die Überweisung der Mittel in Zloty und der Umtausch von Mark auf ausdrücklichen Wunsch der polnischen Partnerorganisation zustande gekommen sei. Der Kurssturz des polnischen Zloty sei drei Wochen nach dem Umtausch durch die Finanzkrise in Argentinien ausgelöst worden. "Weder wir noch die Banken konnten diese Krise vorhersehen", sagte Jansen. Die Bundesstiftung habe "weder gegen Bestimmungen des Stiftungsgesetzes noch gegen sonstige gesetzliche Bestimmungen verstoßen". Um die Nachteile für die Opfer zu verringern, bemühten sich die polnische Partnerorganisation Stiftung für polnisch-deutsche Aussöhnung und die Bundesstiftung mit Unterstützung ihrer Regierungen gemeinsam um eine Lösung, betonte Jansen.

Wegen des Finanzdebakels war Mitte August der Geschäftsführer der Stiftung für polnisch-deutsche Aussöhnung, Bartosz Jalowiecki, entlassen worden. Zuvor war eine polnische Untersuchungskommission zu dem Ergebnis gekommen, dass Jalowiecki eine Mitschuld an dem ungünstigen Zeitpunkt für den Umtausch der Mark in Zloty treffe. Jalowiecki dagegen behauptete, die Deutschen hätten bei ihren ersten Entschädigungszahlen einige der NS-Opfer durch den schlechten Wechselkurs um ihr Geld "betrogen". Jalowiecki wurde inzwischen durch den Gouverneur von Niederschlesien, Witold Krochmal, ersetzt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte damals der polnischen Regierung zugesagt, dass die Bundesregierung eine Lösung des Streits unterstützen werde. Eine Zahlung zusätzlicher Gelder hatte Schröder jedoch ausgeschlossen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!