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Deutscher Lehrerverband warnt vor Bildungskatastrophe

Pädagogenmangel

Der Deutsche Lehrerverband warnt vor einer deutlichen Verschlechterung des Bildungssystems. Nach dem leichten Anstieg der Lehrerzahlen in den vergangenen acht Jahren sei ein drastischer Einbruch zu erwarten, sagte Verbandspräsident Josef Kraus anlässlich des Internationalen Tags des Lehrers am Freitag. In den nächsten zehn Jahren würden fast 40 Prozent der derzeit 785.000 Lehrer in Deutschland in den Ruhestand verabschiedet. Diese Stellen könnten nach dem derzeitigen Stand bei den Lehramtstudenten nicht besetzt werden.

Kraus kritisierte, dass der Beruf des Lehrers den meisten Abiturienten offenbar nicht mehr besonders attraktiv erscheine. Als Gründe dafür führte der Verbandspräsident das schlechte Image von Lehrern an, die häufig als faul und spießig gelten würden. Zudem seien die pädagogischen Anforderungen gestiegen. Die Schüler würden immer unkonzentrierter und verhaltensauffälliger. Entsprechend seien die Lehrer gefordert, ohne dass ihnen dies seitens der Eltern oder der Politik gedankt werde. Letztlich sei der Lehrerberuf auch in materieller Hinsicht wenig interessant für junge Pädagogen.

Referendare in den neuen Bundesländern müssten häufig mit einem Bruttogehalt von 1.600 Mark auskommen, betonte Kraus. Mögliche Folgen des drastischen Lehrermangels seien eine Verkürzung der Schulzeit, größere Klassen und mehr Wochenstunden für Lehrer. Das derzeitige Bildungsniveau sei so nicht zu halten, warnte Kraus. Er fügte hinzu: "Wir stehen vor dem Start in die Katastrophe."

Der Verbandspräsident verlangte ein umfassendes Maßnahmenpaket, um den Beruf des Lehrers wieder attraktiver zu gestalten. Notwendig seien unter anderem ein höheres Gehalt vor allem für junge Lehrer und bessere Aufstiegschancen. Die Kultusministerkonferenz forderte Kraus auf, sich verstärkt zum "Anwalt des Lehrerberufs" zu machen.

Mit den Befürchtungen des Lehrerverbands kehrt sich die Entwicklung der vergangenen Jahre ins Gegenteil. Im abgelaufenen Schuljahr unterrichteten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 785.000 hauptberufliche Lehrer an allgemein bildenden und Berufsschulen. Das sind 2,6 Prozent mehr als 1993, dem ersten Jahr, für das gesamtdeutsche Ergebnisse vorliegen. Allerdings verlief die Entwicklung im Westen und Osten Deutschlands unterschiedlich. Während es im früheren Bundesgebiet rund 31.600 Lehrkräfte oder 5,5 Prozent mehr gab als 1993, ging die Zahl der Lehrer in den neuen Ländern um rund 11.600 Stellen zurück. Das entspricht 6,1 Prozent.

Wesentliche Ursache dafür sind die deutlich gesunkenen Schülerzahlen als Folge der starken Geburtenrückgänge zu Beginn der 90er Jahre im Osten. Während von 1993 bis 2000 die Zahl der Schüler im Westen um 10,4 Prozent stieg, ging sie im Osten um 10,3 Prozent zurück. Bis etwa 2010 rechnen die Statistiker in Wiesbaden mit einem weiteren Rückgang der Schülerzahlen im Osten und einem leichten Anstieg im Westen bis 2004.

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