Deutsche Bahn

Vier Verhaftungen wegen Korruptionsverdachts

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist einem "weitverzweigten Korruptionsgeflecht" zwischen Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG und mehreren Firmen auf der Spur. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte, wurden am Dienstag vier Personen verhaftet, unter ihnen ein mittlerweile pensionierter leitender Beamter der Bahn, der mit mehreren Millionen Mark bestochen worden sein soll. Die Ermittler fürchten, bis dato lediglich die "Spitze eines Eisbergs" entdeckt zu haben.

Der Bahnbeamte soll in den vergangenen fünf Jahren als Einkaufsleiter Bargeld und Sachzuwendungen im Wert von insgesamt rund 3,4 Millionen Mark erhalten haben. Im Gegenzug soll er dafür gesorgt haben, dass die Mitbeschuldigten - Manager zweier Firmen – Geschäfte im Umfang von mehr als 100 Millionen Mark mit der Bahn machen konnten. Die Bahn wollte zu den Schäden zunächst keine Angaben machen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass im Zuge weiterer Ermittlungen "Schäden in sehr erheblicher Höhe" festgestellt werden.

Laut Staatsanwaltschaft wurden am Dienstag bundesweit zeitgleich 17 Wohnungen und Büroräume durchsucht und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Das hessische Landeskriminalamt richtete eine spezielle Arbeitsgruppe ein. Wo die Verdächtigen verhaftet wurden, wollten Staatsanwaltschaft und Bahn nicht verraten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn kündigte weitere Schritte an, um den "Sumpf der Korruption trocken zu legen". Die Geschäftspartner des Unternehmens forderte er auf, sich dem Kampf gegen die Korruption anzuschließen. "Wer das nicht tut und erwischt wird, wird von den Auftragslisten der Deutschen Bahn gestrichen", kündigte der Konzern-Chef an. In den Fällen, in denen sich die Korruptionsvorwürfe als richtig erwiesen, werde die Bahn auch zivilrechtlich mit aller Konsequenz gegen beteiligte Mitarbeiter vorgehen.

In einem Brief an die Belegschaft schrieb Mehdorn, man werde Hinweisen auf mögliche Korruption "bedingungslos nachgehen". Nur wer sich freiwillig offenbare, bevor er erwischt werde, könne auf "Hilfe im Rahmen des Möglichen" hoffen, heißt es in dem Schreiben. Den Maßnahmen der Staatsanwaltschaft gingen nach Bahn-Angaben zunächst "betriebsinterne umfangreiche Ermittlungen" voraus. Bereits im Sommer 2000 habe das Unternehmen bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet. Als erste konkrete Verdachtsmomente bekannt wurden, sei dem ehemaligen Bahnbeamten unverzüglich gekündigt worden.

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