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Fahndung nach Ex-Staatssekretär und Daimler-Manager Pfahls

Rüstungsindustrie

Das Bundeskriminalamt (BKA) sucht inzwischen per Internet nach Dr. Ludwig Pfahls, einstiger Präsident des Bundesverfassungsschutzes, dann Rüstungsstaatssekretär und schließlich DaimlerChrysler-Manager. Pfahls gilt seit zweieinhalb Jahren als unauffindbar. Der frühere CSU-Mann Pfahls, Intimus von Franz Josef Strauß, ist eine der Schlüsselfiguren in der Spendenaffäre um den nach Kanada geflüchteten Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Dieser soll Pfahls 1991 für einen Waffendeal mit den Saudis 3,8 Millionen Mark zugesteckt haben. Zielfahnder des Bundeskriminalamtes (BKA) lagen bisher angeblich vergeblich auf der Lauer.

Das BKA hofft auf den berühmten "Zufallserfolg" durch die Mithilfe der Bevölkerung weltweit. Auf der BKA-Homepage im Internet kann jedermann unter der Rubrik "Fahndung/meistgesuchte Personen" in allen Ländern der Erde, besonders in Asien, wo Pfahls untergetaucht ist, sein Konterfei und die Vorwürfe gegen ihn in Augenschein nehmen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg, die Pfahls Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorwirft, hat ein Kopfgeld von 10.000 Mark ausgesetzt. Am 27. November will die Deutsche Welle in ihrer Fernsehsendung "Deutschland heute" weltweit einen Fahndungsaufruf nach Pfahls ausstrahlen.

Wie die Nachrichtenagentur ddp am Mittwoch aus Kreisen deutscher Geheimdienste erfuhr, bestehe der "berechtigte Verdacht", dass Pfahls, der als "sehr gerissen und erfahrener Geheimdienstmann" gelte, seinerzeit vom taiwanesischen Geheimdienst "in Obhut" genommen" wurde. Er soll sich in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh im Veterans General Hospital wegen eines Schlaganfalls aufgehalten haben. Pfahls ist zuckerkrank und benötigt eine besondere Art von Insulin. Journalisten haben ihn aber nicht ausfindig machen können. Der 59-Jährige ist seither verschwunden.

Hinter Pfahls liegt eine "Bilderbuchkarriere". In seiner Position als Rüstungsstaatssekretär hatte er es am 27. Februar 1991 während des Golfkrieges fertig gebracht, dass der Bundessicherheitsrat dem Export von 36 ABC-Spürpanzern "Fuchs" nach Saudi-Arabien zustimmte. Die Lieferung hatte ein Volumen von 400 Millionen Mark.

Am 2. September 1991, so steht es im internationalen Haftbefehl, habe der Waffenlobbyist Schreiber von seinem Konto beim Schweizerischen Bankverein die Millionen auf ein eigens eingerichtetes Konto mit dem Codenamen "Holgart" überwiesen: die Gegenleistung, dass Pfahls den äußerst umstrittenen Panzerexport in der Kohl-Regierung durchgesetzt hatte. Pfahls schied zehn Monate nach dem Coup auf eigenen Wunsch aus den Diensten der Bundeswehr aus.

Die weiteren Stationen des "Politkrimis": Der gelernte Anwalt tritt in eine Münchner Anwaltssozietät ein, danach wird er Berater bei Mercedes und Geschäftsführer des Konzerns in Brüssel. Dort heiratet er seine Geliebte. Das Paar lässt sich in einem chromglänzenden Mercedes-Oldtimer durch Brüssel in die neue teure Wohnung chauffieren. Im Frühjahr 1998 geht Pfahls mit seiner Frau nach Singapur. Er leitet die Ostasien-Vertretung des neuen Riesenkonzerns DaimlerChrysler.

Anfang März 1999 tritt Pfahls bei der "Technogerma"-Messe in Indonesiens Hauptstadt Jakarta zum letzten Mal öffentlich auf. Er soll "von befreundeter Seite" gewarnt worden sein. Am 22. April wurden die Haftbefehle gegen ihn ausgestellt. Am 7. Mai sollte Pfahls ein Meeting der Asienmanager von Daimler in Singapur leiten. Er flog aber am selben Tag nach Taiwan, das kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat, und verschwand.

"Sollte Pfahls wirklich aufgegriffen werden und aussagen, könnte die CDU-Spendenaffäre womöglich in einem noch viel brisanteren Licht erscheinen als bisher", meint einer der Juristen, die sich intensiv mit dem spektakulären Fall beschäftigen.

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