Reporter ohne Grenzen
Inhaftierter iranischer Journalist Reza Alijani erhält Menschenrechtspreis
Reza Alijani (39) wurde 1992 Redakteur bei Iran-e-Farda, später deren Chefredakteur. Unter seiner Federführung entwickelte sich das Blatt zu einem Sprachrohr der Reformbewegung und fand unter Studenten eine breite Anhängerschaft. Doch dann wurde Alijani immer häufiger vor Revolutionsgerichte geladen - aufgrund seiner Artikel, in denen er sich für Meinungsfreiheit aussprach. Im Januar 1999 erhielt er Todesdrohungen. Dennoch ließ er sich nicht einschüchtern. Einige Monate später sprach er in einem Interview mit der iranischen Tageszeitung Arya über die Morde an tausenden von Gefangenen durch die iranischen Behörden 1989.
Im Februar 2001 wurde Alijani von Geheimdienstagenten verhaftet, zehn Monate nach dem Verbot von Iran-e-Farda. Es gibt noch keine offizielle Anklage gegen ihn. Sein Anwalt erhält weder Zugang zu ihm noch zu den Prozessakten. Alijanis Frau durfte ihn nur ein einziges Mal besuchen. Das Paar hat zwei Kinder.
Mit 17 inhaftierten Journalisten ist Iran das größte Gefängnis für Reporter im mittleren Osten. Seit Anfang 2000 geriet die reformistische Presse zunehmend unter Druck. Im April 2000 verabschiedete das iranische Parlament ein neues Pressegesetz, das die Strafen für sogenannte Pressevergehen erheblich verschärfte. Seitdem wurden mehr als 40 Zeitungen eingestellt und dutzende Journalisten verhaftet.
Viele Iraner nutzen Satellitenfernsehen und das Internet, um den beschränkten Zugang zu Information im Land zu umgehen. Im Mai 2001 schlossen die Behörden 400 Internetcafés in Teheran. Im Oktober wurden 1000 Satellitenschüsseln - die eigentlich verboten sind - beschlagnahmt. Im November wurde ein Dekret erlassen, das private Internet-Provider verbietet.
Reporter ohne Grenzen zählt den Religionsführer Ali Khamenei zu den größten Feinden der Pressefreiheit
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