EU-Gipfel in Brüssel

Ausreiseverbote gegen Globalisierungskritiker verurteilt

Die innenpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im Bundestag, Ulla Jelpke erklärte: „Das Verwaltungsgericht Berlin hat zwei Ausreiseverbote gegen Globalisierungskritiker bestätigt. Nur in einem Fall wurde die Ausreisesperre aufgehoben. Die Berliner Innenverwaltung hatte schon im Vorfeld des Urteils weitere Ausreisesperren angekündigt. Auch in anderen Bundesländern wie Niedersachsen und Baden-Württemberg werden erneut Ausreiseverbote gegen Kritiker der Globalisierung und der EU-Politik verhängt.“ Damit drohten Ausreiseverbote zum Routineinstrument staatlicher Repressalien gegen Oppositionelle zu werden. Das Menschenrecht auf Freizügigkeit - für Flüchtlinge und MigrantInnen ohnehin außer Kraft - werde in seinem Kernbereich verletzt. Die PDS protestiere gegen diese Praxis.

Jelpke erklärte weiter, Menschenrechte seien kein Privileg für Wohlverhalten gegenüber der Obrigkeit. Sie sollten Opposition gegen staatliche Politik, gegen kritikwürdige Machtverhältnisse und soziale Zustände überhaupt erst ermöglichen und schützen. Wenn jetzt der Entzug von Grundrechten zur neuen Regel wird bei "aufsässigem" Verhalten, dann seien Grundrechte in Gefahr. Eine solche Praxis verstoße zudem gegen internationale Konventionen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, den internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Schlussakte von Helsinki.

Sie verstoße auch gegen Grundsatzurteile des Bundesverfassungsgerichts zur Freizügigkeit wie das "Elfe"-Urteil von 1957. Darin ist festgehalten, dass Ausreiseverbote nur in extremen Fällen zulässig sind. Die Gründe für solche Verbote müssten im Einzelfall, so das Verfassungsgericht, so gewichtig sein, "dass sie einer Gefährdung der inneren und äußeren Sicherheit der Bundesrepublik nahe kommen." Davon könne in den vorliegenden Fällen keine Rede sein.

Der frühere Bundestagsvizepräsident Hirsch habe diese Ausreiseverbote mit repressiven Praktiken der "guten alten

DDR" verglichen, zitierte Jelpke. Nach ihrer Meinung wandelten Schily und die Länderinnenverwaltungen mit solchen Maßnahmen in Honeckers Fußstapfen.

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