Ärzte ohne Grenzen warnen
Tausende in Angola vom Hungertod bedroht
"Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Mutter über den Tod ihres Kindes weint", berichtet eine 20-jährige Frau, die gerade in Galangue angekommen ist. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben in der Stadt 31 Gräber vorgefunden, die in den letzten zwei Wochen neu aufgeworfen wurden. Die Teams schätzen, dass die Sterblichkeitsrate bei 5 Toten pro 10.000 Menschen jeden Tag liegt. Dieser Wert ist fünfmal höher als der Schwellenwert für eine akute Krise. Haupttodesursache sei Unterernährung. Einer schnellen Untersuchung von 538 Kindern unter fünf Jahren zufolge sind 25 Prozent schwer unterernährt und 18 Prozent mäßig unterernährt. Die schlimmsten Fälle wurden sofort in das etwa 200 Kilometer entfernte Ernährungszentrum nach Caala gebracht, in dem bereits 850 schwer unterernährte Kinder versorgt werden.
Ein mobiles Team von Ärzte ohne Grenzen soll in den nächsten Tagen akute medizinische Notfälle versorgen und versuchen, die Patienten so zu stabilisieren, dass sie nach Caala transportiert werden können. Für Familien mit Kindern unter zehn Jahren wollen die Mitarbeiter zudem Nahrungsmittel verteilen.
In den vergangenen Wochen ist Ärzte ohne Grenzen in allen neu zugänglichen Gebieten auf Tausende von Menschen in katastrophalem Gesundheitszustand gestoßen und hat akute Nothilfeprogramme gestartet: in Bunjei und Chipindo (Provinz Huila), Chilembo (Provinz Huambo), Damba (Provinz Malanje), Menongue (Provinz Cuando Cubango), Chitembo, Camacupa und Kuito (Provinz Bié). Seit 1998 hatten diese Menschen keinen Zugang mehr zu humanitärer Hilfe. Sie wurden von den Kriegsparteien mehrfach zwangsvertrieben und als Geiseln gehalten. Ihre Dörfer und Häuser wurden niedergebrannt, ihre Besitztümer und Felder geplündert und zerstört.
Ärzte ohne Grenzen fordert die angolanische Regierung auf, umgehend auf die Bedürfnisse in den ehemaligen UNITA-Gebieten zu reagieren. Dringend erforderlich seien Nahrungsmittellieferungen, Impfkampagnen sowie Transportmöglichkeiten für die Kranken und Schwachen. Die Organisation hat auch an die Vereinten Nationen appelliert, Nahrungsmittel in die neu zugänglichen Gebiete zu bringen, doch bislang ohne Erfolg.
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Am 16. Mai. 2002 unter:
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