"Spiegel Online"-Vorwurf

PDS-Abgeordnete Marquardt soll Stasi-Informantin gewesen sein

Die PDS-Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt war nach Recherchen von "Spiegel Online" bis zum Zusammenbruch des SED-Regimes als Stasi-Informantin tätig. Dies belegten bisher unbekannte Dokumente, die von Mitarbeitern der Stasi-Unterlagenbehörde auf Antrag der Redaktion bei Nachforschungen über Stasi-Spitzel an den Schulen gefunden wurden. Wie das Magazin am Dienstag weiter berichtete, unterschrieb Marquardt demnach im April 1987 als damals 15-jährige Schülerin eine handschriftliche Verpflichtungserklärung für das MfS. Marquardt sagte dazu, sie habe zu keinem Zeitpunkt wissentlich mit der Stasi zusammengearbeitet.

Marquardt führte dem Bericht zufolge den Decknamen "Katrin Brandt". Ihrem Führungsoffizier habe sie bis September 1989 über die politische Haltung von Mitschülern und Bekannten berichtet. Die jetzige stellvertretende PDS-Vorsitzende habe bis heute Stillschweigen über ihre damalige Tätigkeit gewahrt. Erst nach einer Anfrage von "Spiegel Online" habe sie sich nun gegenüber Parteifreunden dazu bekannt. In der Öffentlichkeit lehne die 31-jährige Bundestagsabgeordnete mit Punkerfrisur eine Stellungnahme aber noch wie vor ab.

"Mir war bis dato eine inoffizielle Tätigkeit für das MfS nicht bekannt", erklärte die PDS-Politikerin. Zugleich räumte sie jedoch ein, als 15-Jährige auf Drängen ihrer Eltern "eine Art Schweigeverpflichtung" unterschrieben zu haben.

Ihre Eltern hätten dagegen inoffiziell mit der Stasi zusammengearbeitet, sagte Marquardt. Sie habe sich als Neun- oder Zehnjährige bei den Treffen der Stasi mit ihren Eltern immer um ihre Geschwister kümmern und die elterliche Wohnung verlassen müssen. Die Stasi-Mitarbeiter habe sie für "Freunde der Familie" gehalten. Eines Tages habe sie als 14- oder 15-Jährige im Bus einen von "Mamas Kumpeln" gegrüßt. Erst jetzt habe sie in Gesprächen mit ihrer Mutter erfahren, dass sie damals eine Schweigeverpflichtung unterschrieben habe. Dies sei ihr ebenso wie der Deckname nicht mehr in Erinnerung. Auch später habe sie Kontakt zu MfS-Mitarbeitern gehabt, ohne deren wahre Identität zu kennen.

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