Baugewerbe
Streiks im Baugewerbe ausgeweitet - 550 Betriebe betroffen
Ein IG-BAU-Sprecher sagte am frühen Nachmittag, bisher liege der Gewerkschaft noch kein verbessertes Angebot der Arbeitgeber vor. Man habe nur aus den Medien von dem angeblich neuen "verhandlungsfähigen Angebot" der Bauindustrie erfahren. IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel hatte am Vortag betont, der Arbeitskampf werde "fortgesetzt, bis uns ein vernünftiges Angebot der Arbeitgeber vorliegt". An jedem Tag, den die Arbeitgeber ungenutzt verstreichen ließen, werde der Streik ausgeweitet. Für Mittwoch kündigte die Gewerkschaft eine zweite Streikwelle an, die den Süden und Osten Deutschlands erfassen werde.
Baustellen auf Bundesautobahnen sind von der Streikwelle bisher nicht betroffen. Allerdings werden sie bei der Ausweitung der Streiks auch nicht ausgenommen, sagte der IG-BAU-Sprecher auf Anfrage. Die Gewerkschaft wolle mit ihren Arbeitskampfmaßnahmen Autofahrer oder Urlaubsreisende nicht verärgern, betonte er. Jedoch seien Auswirkungen auch für sie wie bei Streiks im Öffentlichen Dienst nicht auszuschließen. Automobilclubs hatten zuvor vor Streiks auf Autobahn-Baustellen gewarnt. Der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Jochen Hövekenmeier, sagte der "Bild"-Zeitung, als Folge der angekündigten Streiks könnten möglicherweise bis zu 120 der 300 deutschen Autobahnbaustellen nicht rechtzeitig bis zum Ferienbeginn fertig gestellt werden. Eine Belastung der Reisenden als "Geiselopfer" in einem Tarifstreik sei unzumutbar, sagte der AvD-Sprecher.
Im Berliner Baugewerbe hatte die Streikenden laut IG BAU "die 20 wichtigsten Baustellen der Hauptstadt im Griff". Dazu zählten seit Beginn der Frühschicht auch die 12 Baustellen des Lenné-Dreiecks. Damit werden laut Gewerkschaft alle Baustellen rund um den Potsdamer Platz bestreikt. Auch im Ruhrgebiet wurden am zweiten Streiktag die Aktionen erheblich ausgeweitet. Die IG BAU in Gelsenkirchen rechnete mit mehreren tausend Streikenden. Streikaktionen gab es nach ihren Angaben auch in Mülheim, Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund. Ab Mittwoch sollen die Protestaktionen flächendeckend auf das gesamte Gebiet Nordrhein-Westfalens ausgedehnt werden. Die am Montag in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gestartete Streikwelle wird am Mittwoch auch die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern erreichen. In der Hansestadt Bremen legten am Dienstag etwa 1.000 Beschäftigte die Arbeit nieder, in Bremerhaven etwa 400. Dort ruhte laut Gewerkschaft auf etwa 80 Baustellen die Arbeit.
Die IG BAU fordert unverändert eine Anhebung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen für die noch gut 840.000 Branchenbeschäftigten um 4,5 Prozent. Sie lehnt die von den Arbeitgeberverbänden geforderten Veränderungen im Bundesrahmentarifvertrag sowie eine Nullrunde bei den Mindestlöhnen Ost ab. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Lohnerhöhung von drei Prozent mit fünf "Leermonaten" angeboten, was effektiv einem Plus von 1,75 Prozent entspricht. Streikleiter Schäfers betonte, mit einer Nullrunde bei den Mindestlöhnen würden Zehntausende Bauarbeiter leer ausgehen.
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Am 18. Jun. 2002 unter:
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