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Keine neuen Anzeichen für Seehundstaupe-Epidemie

Seehundsterben auch durch Umweltgifte verursacht

Für einen Ausbruch der Seehundstaupe-Epidemie an der ostfriesischen Nordseeküste gibt es keine neuen Hinweise. Es wurden keine weiteren toten Robben gefunden, wie der Leiter der Seehundaufzuchtstation im ostfriesischen Norddeich, Peter Lienau, am Donnerstag sagte. In der zweiten Julihälfte waren sieben tote Seehunde an der niedersächsischen Küste entdeckt worden. Bislang wurde nach Angaben von Lienau nur bei einem Tier das gefährliche Seehundstaupe-Virus nachgewiesen. Bei den anderen Funden gebe es bislang lediglich eine rein optische Diagnose. Die Ergebnisse der virologischen Untersuchungen sollen bis Anfang nächster Woche vorliegen, wie Lienau sagte. Allerdings sei davon auszugehen, dass sich der Staupe-Verdacht bestätigt. Die Umweltorganisation Greenpeace machte die starke chemische Verschmutzung der Nord- und Ostsee für das Seehundsterben verantwortlich. Dauergifte müssten daher weltweit verboten werden.

Nach wie vor kann laut Lienau im Vergleich zu den Vorjahren noch nicht von "überdimensionierten Totfunden" gesprochen werden. Eine verlässliche Aussage zum befürchteten Massensterben der Seehunde könne er erst in 10 bis 14 Tagen treffen.

An skandinavischen Küsten waren in den vergangenen Wochen rund 2000 mit dem Staupevirus infizierte Robben verendet. 1988 hatte die Seuche den Bestand an Seehunden in der Nord- und Ostsee halbiert. Ursache war das bis dahin unbekannte "Phocine Distemper Virus" (PDV), das dem Hundestaupevirus ähnlich ist. Es greift das Immunsystem der Seehunde an. In der Folge gibt es zahlreiche Sekundärerkrankungen wie Parasitenbefall. Woher das Virus damals kam, ist bis heute unklar.

Greenpeace verwies darauf, dass Robben als Säugetiere an der Spitze der Nahrungskette stehen und über ihre Nahrung große Mengen Schwermetalle und Dauergifte in ihrem Körper anreichern. Das Immunsystem der Tiere werde in stark belasteten Gewässern geschwächt, so dass es sich gegen die Virusinfektion nicht ausreichend zur Wehr setzen könne und das Tier sterbe. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass Seehunde in wenig belasteten Meeresgebieten wie dem Atlantik gesünder seien und die eine Infektion mit dem Staupe-Virus eher überlebten. Die Gift-Belastung der Tiere aus der Nord- und Ostsee sei derart hoch, dass die Kadaver in Deutschland als Sondermüll entsorgt werden müssten.

"Seehunde sterben nicht zwangslaeufig an dem Staupe-Virus. Der Gesundheits- und Belastungszustand entscheidet über ihre Ueberlebenschancen", sagt Meeres- und Chemie-Experte Manfred Krautter von Greenpeace. "Robben sind daher ein Indikator für den Zustand der Meere".

Untersuchungen an verendeten Tieren bei früheren Seehundsterben zeigten, dass diese höhere Belastungen mit Schwermetallen und Dauergiften wie Dioxinen, PCB und DDT aufwiesen als überlebende Tiere. Die Tiere würden zunehmend auch durch Dauergifte der neuen Generation wie bromierte Flammschutzmittel, TBT (Tributylzinn) und Chlorparaffine belastet, die gleichfalls das Immunsystem der Tiere schädigen können. Diese Dauergifte begünstigten nicht nur akute Erkrankungen der Meeressäuger, sie verursachten auch chronische Gesundheitsschäden bei den Tieren.

Dauergifte sind vom Menschen hergestellte organische Chemikalien, die die Gesundheit von Tieren und Menschen schädigen können. Sie werden international als Persistent Organic Pollutants (POPs) bezeichnet. POPs reichern sich in der Nahrungskette an und können in der Umwelt nur schwer abgebaut werden. Viele Dauergifte haben sich so über den ganzen Planeten ausgebreitet. Über Luft und Flüsse gelangen sie in die Meere, die so ein Endlager für diese Schadstoffe werden. Greenpeace fordert, dass die Schadstoffbelastung der Meere deutlich gesenkt wird. Die Umweltschutzorganisation setzt sich daher für eine grundlegende Reform des europäischen Chemikalienrechts und für ein globales Verbot von Dauergiften ein.

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