Bonusmeilen-Affäre als politische Kampagne?

Experte Donsbach besorgt über Skandalisierung in den Medien

Der Medienexperte Wolfgang Donsbach kritisiert angesichts der Bonusmeilenaffäre den Trend der Medien zur Skandalberichterstattung. Bedenklich daran sei, dass das eigentliche Kerngeschäft aus den Augen verloren gehe, sagte Donsbach. So sei die private Nutzung dienstlich erworbener Bonusmeilen ein eher kleines Vergehen. Die damit verglichen hohe Zahl der Rücktritte ergebe sich daraus, dass die Politiker kurz vor der Bundestagswahl ihrer eigenen Partei nicht schaden wollen.

Donsbach sagte zu Vorwürfen, wonach die "Bild"-Zeitung mit der Veröffentlichung von Bonusmeilen-Flügen prominenter Politiker eine politische Kampagne betreibe, aus journalistisch-ethischer Sicht sei es geboten, "relevante Nachrichten so aktuell wie möglich zu veröffentlichen". Aus seiner Sicht verwerflich, aber aus kommerzieller Sicht wirkungsvoll sei es, solche Veröffentlichungen scheibchenweise zu verteilen, sagte der Medienexperte.

Donsbach fügte hinzu, von einer echten Kampagne würde er erst sprechen, wenn die Informationen der Redaktion seit mehreren Wochen vorlägen, aber erst jetzt gezielt eingesetzt würden. Da es für den Ruf einer Zeitung gefährlich sei, wenn dies bekannt werde, vermute er ein solches Vorgehen in diesem Fall jedoch eher nicht, betonte Donsbach.

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