Ein Ehrenplatz für die Mark
Leipziger Geschäftsstraße akzeptierte für eine Woche die alte Währung
Rund 1.500 Mark hat die Aktion ihrem kleinen Juweliergeschäft "Schmuckkästchen" an der Leipziger Jahnallee gebracht. Und das nur in den ersten zwei Tagen, ohne Anzeichen einer abflauenden Mark-Begeisterung, sagt Marion Deim. Geld, das sonst in der Ladenkasse gefehlt hätte. Denn große Schmuckstücke oder Uhren wurden damit nicht gekauft, eher Kleinigkeiten, auf die man mit Euro im Portmonee wohl auch verzichtet hätte, schätzt Deim. So brachte die alte Währung mitten im Sommerloch und im Schlussverkauf der großen Kaufhäuser noch einen kleinen Aufschwung in die Kasse des Fachgeschäfts. Und das nicht nur bei ihr. Der Bäcker gegenüber nahm an einem einzigen Vormittag 600 Mark ein.
Vor allem Münzen seien es, die die Kunden über den Tresen reichen, nur vereinzelt Scheine, sagt Marion Deim. Kommt dann doch Papiergeld zum Vorschein, dann habe sie sich schon die Augen reiben müssen. Eine Kundin hatte noch einen alten Fünfziger gefunden, wie es sie im Osten nach der Wende nur kurze Zeit gab, bis Anfang der 90er die neuen Scheine kamen.
Politisch sei die Aktion nie gewesen. "Den Euro akzeptiere ich voll und ganz", sagt die Geschäftsfrau. Eher als Werbegag sei es zu verstehen. Denn Zeitungsanzeigen brächten überhaut nichts. Aber wenn eine ganze Straße mitzieht, dann macht sich die Werbung von selbst. Und so wurde aus der Juwelierin Deim innerhalb weniger Tage die meistgefragteste Interviewpartnerin der Medien. Damit hat sie ihr Ziel erreicht: Werbung satt und umsonst.
Dass die Mark-Aktion der Einzelhändler ein so großer Erfolg wurde, wundert Rainer Stühler von der Landeszentralbank in Leipzig nicht wirklich. "Mehrere Milliarden Mark", sagt er, seien noch immer im Umlauf. Vieles davon zwar als Notgroschen in der Türkei oder auf dem Balkan. Aber auch in Deutschland fänden sich mehr als vergessene Restbestände oder Erinnerungsstücke. Noch immer bildeten sich zeitweise Schlangen an den Umtauschschaltern der Landeszentralbank in Leipzig, sagt Stühler. Durchschnittlich 150 Mark tausche jeder Kunde noch immer um.
Ein Aufwand, den Marion Deim ihren Kunden jetzt abnimmt. Das sei dann aber auch der einzige Mehraufwand, den die Markaktion koste. "Sonst hätte auch kaum einer der Geschäftsleute mitgemacht", sagt Juwelier Peter Deim. Die Umsätze seien zurzeit nicht so, dass sie große Werbe-Investitionen ermöglichten. Aber auf dem Taschenrechner mit 1,9558 zu multiplizieren, das ginge schnell.
Ist aber gar nicht immer nötig, zumindest im Schmuckkästchen nicht. An einigen Kinderohrringen und -ketten hängen noch immer die D-Mark-Preise. Und das in Silber gefasste Mark-Stück für den Schlüsselbund kostet auch nicht 14,99 Euro, sondern - klar - 29,98 Mark.
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Am 02. Aug. 2002 unter:
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