Agentur statt Anstalt

Umbau der Arbeitsämter hat begonnen

Der Startschuss für den umfassenden Umbau der Bundesanstalt für Arbeit ist gefallen. Bis Mitte nächsten Jahres sollen zur zielgenaueren Jobvermittlung flächendeckend Jobcenter und Personal-Service-Agenturen aufgebaut werden. Der gesamte Umbauprozess werde zwei Jahre dauern, sagte BA-Vorstandschef Florian Gerster bei der Vorstellung seines Konzeptes in Berlin. Die Bundesanstalt soll künftig den Namen "Bundesagentur für Arbeit" tragen, enger mit den Arbeitgebern zusammenarbeiten und sich mehr als Dienstleister verstehen. Koalitionsvertreter und DGB-Chef Michael Sommer unterstützten die Pläne. Der Vorsitzende des dbb - beamtenbund und tarifunion, Erhard Geyer, forderte eine deutliche Personalaufstockung.

Gerster kündigte an, beim Umbau der Behörde werde in jenen Bereichen sofort gestartet, in denen keine Gesetzesänderungen nötig seien. Der gesetzliche Rahmen für die übrigen Maßnahmen werde frühestens Anfang 2003 stehen. Bei allen Landesregierungen sollen Verbindungsstellen gebildet werden, um enger mit regionalen Akteuren zusammenzuarbeiten. Er verspreche sich davon einen "Quantensprung", sagte der BA-Chef.

Die Arbeitsvermittler sollen künftig branchenorientiert arbeiten, so dass jedes Unternehmen seinen persönlichen Vermittler im Arbeitsamt kennt. Effizientere Verwaltungsarbeit soll ermöglichen, die Zahl der Job-Vermittler deutlich zu erhöhen. Die von der Hartz-Kommission angestrebte Quote, wonach ein Vermittler für 200 Arbeitslose zuständig sein soll, nannte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt "in der Zielrichtung sehr sympathisch". Derzeit liege die Quote eher bei 1 zu 600.

Bis Mitte 2003 soll in jedem Arbeitsamt ein Jobcenter eingerichtet sein, um für die Arbeitslosen Integrationsangebote zu entwickeln. Hier gebe es erste Kooperationsverträge mit privaten Anbietern, sagte Alt. Gleiches gelte für die Personal-Service-Agenturen. Die Internet-Adresse www.arbeitsamt.de solle künftig "Zugriff auf alle Stellen im Internet" geben, nannte Alt als weiteren Schritt für die schnellere Vermittlung.

Intern will Gerster seinen Mitarbeitern klare Ziele setzen und zugleich mehr Freiheiten zugestehen. Für mehr Flexibilität würden bei den Beamten die "Grenzen dieses Dienstrechts" erprobt, kündigte BA-Vorstandsmitglied Frank-Jürgen Weise an. Gerster sagte, es würden keine Beamtenanwärter mehr eingestellt.

Geyer warf Gerster deshalb vor, die Probleme der Behörde allein auf dem Rücken der dort beschäftigten Beamten lösen zu wollen. Gerster setze zudem die Motivation seiner Mitarbeiter aufs Spiel, wenn er mit einem Abbau der Arbeitslosigkeit auch einen Stellenabbau bei der BA in Aussicht stelle, kritisierte der Gewerkschaftschef.

Die Arbeitsmarktexperten Franz Thönnes und Thea Dückert begrüßten die schnelle Umsetzung der Hartz-Reformvorschläge. Sommer sagte, der DGB setze sich zusätzlich für eine Investitions- und Qualifizierungsoffensive ein. CSU-Sozialexperte Johannes Singhammer bemängelte, die von der BA geförderten Qualifizierungsmaßnahmen seien häufig unwirksam. Nötig sei daher eine sofortige Effizienzkontrolle.

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