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Deutsche Wirtschaft präsentiert sich in Johannesburg als nachhaltig

Liaison im eigenen Interesse

Der große Auftritt von BMW auf dem Weltnachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg treibt Jochen Flasbarth Furchen in die Stirn. "Das hätten die sich früher nicht getraut", bekrittelt der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Das Engagement des Automobilkonzerns für saubere Energie über Wasserstoffmotoren hält Flasbarth für einen PR-Gag. "Die schmücken sich nur mit dem Stichwort Nachhaltigkeit", sagt er, "da bleibt aber ein Glaubwürdigkeitsproblem". BMW sieht das anders. Die Industrie hat die Nachhaltigkeit für sich entdeckt. In Johannesburg begeht sie am Samstag sogar den "Tag der deutschen Wirtschaft".

Deutsche Großkonzerne und Mittelständler sind auf dem Weltgipfel angetreten, um dem "Glaubwürdigkeitsproblem" der Wirtschaft in Sachen Klima- und Umweltschutz zu begegnen. BMW liefert sich um die Gunst der rund 15 000 Gipfel-Besucher mit Konkurrent Daimler-Chrysler ein regelrechtes Wettrennen. Die Münchner bauten zwischen Restaurants und Shops eine riesige luftgetragene Weltkugel, in der sie gleich auch die Stiftung eines Lehrstuhls für Nachhaltigkeit an der Johannesburger Witwater Rand Universität bekannt gaben. Die Stuttgarter rüsteten dafür die Weltkonferenz mit einer ganzen Flotte Shuttle-Bussen und Limousinen aus.

Gerade die Automobilindustrie will beweisen, dass sie das Thema Nachhaltigkeit ernst nimmt. BWM, die in Südafrika ihre 3er Reihe für den US-amerikanischen, australischen und japanischen Markt bauen, stieg im Werk nahe der Hauptstadt Pretoria in die umweltfreundliche Entsorgung von Müll und Gefahrenstoffen ein, setzte Wassersparkonzepte um und fördert umweltfreundliche Vertriebswege über die Bahn. "Es ist heute nicht mehr opportun, ein Produkt zu vertreiben, dass lediglich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten produziert ist", sagt Werksleiter Harald Vogt. "BMW-Kunden überall auf der Welt wollen wissen, wie ihr Wagen hergestellt ist."

Deshalb sorgt sich BMW auch um seine rund 3000 Arbeiter, durchaus in eigenem Interesse. Um den Krankenstand niedrig zu halten, lancierte der Fahrzeugbauer ein breites HIV- und Gesundheitsprogramm, dass die Versorgung infizierter Mitarbeiter umfasst. Beschäftigte können ihre Kinder während der Arbeit im werkseigenen Kindergarten unterbringen, der weit über dem Standard öffentlicher Kindergärten des Landes liegt. Daneben fördert BMW über 70 Schulen in besonders armen Gegenden des Landes.

Solche Projekte zwischen Betrieben und armen Regionen werden von dem Weltgipfel in Johannesburg besonders unterstützt. Deshalb sind auch VW sowie die Chemiekonzerne BASF und Bayer in Johannesburg vertreten. Sie werben für nachhaltige Produktionsweisen, das Bleistift-Imperium Faber-Castell stellt ein Wiederaufforstungsprojekt in Brasilien vor. Der Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, spricht von "konstruktiven Partnerschaften", die anders als internationale Abkommen schnell und direkt vor Ort wirken. Auch Umweltverbände und Nicht-Regierungsorganisationen lassen dabei zunehmend ihre Skepsis fallen.

Zu dieser Entwicklung dürfte auch das Engagement von Betrieben wie dem Kosmetikunternehmen "The Body Shop" beigetragen haben. Die englische Kette unterstützt seit Jahren fairen Handel mit Entwicklungsregionen. In Johannesburg übergab "The Body Shop" am Freitag zwei Millionen Unterschriften, um für erneuerbare Energien in den ärmsten Ländern der Erde zu werben, einer der Hauptkonflikte der Verhandlungen.

Unterstützt wird die Aktion vom früheren Shell-Boss Mark Moody Stuart und Greenpeace International. Greenpeace sorgte in Johannesburg vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsrat für Aufsehen. Die früheren Erzfeinde drängen in ungewöhnlicher Liaison auf die weltweite Reduzierung von Treibhausgasen. Weltwirtschaftsrats-Präsident Björn Stigson unterstrich bei dem gemeinsamen Aufruf, die Klimaerwärmung sei ein globales Problem und bedürfe einer globalen Lösung.

Der Chef von Greenpeace International, Rémi Parmentier, versicherte zwar, seine Organisation werde auch weiter spektakuläre Aktionen gegen Umweltverschmutzung und Ölverklappung fahren. Aber BP-Gruppenleiter Charles Nicholson fügte hinzu: "Es ist auch gut, einmal eine gemeinsame Plattform zu haben."

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