Seehundsterben erreicht traurigen Höhepunkt

1002 tote Seehunde

Das Seehundsterben an der niedersächsischen Nordseeküste hat das Ausmaß einer Epidemie erreicht. Mit derzeit 1002 toten Seehunden und 9 toten Kegelrobben sei am Dienstag eine Schallgrenze durchbrochen worden, sagte die Sprecherin der Bezirksregierung Weser-Ems, Herma Heyken, in Oldenburg. Damit seien 15 Prozent der Gesamtpopulation von knapp 6500 Seehunden tot an Land geschwemmt worden. Verantwortlich für das massenhafte Seehundsterben ist offenbar das seit Mitte Juli grassierende Staupe-Virus. Die drastische Zunahme an Totfunden sei auf drehende Winde zurückzuführen, sagte Heyken. Mit dem nun auflandigen Wind würden Seehunde angeschwemmt, die bereits vor Tagen verendet sind. Der Auslöser der Seehund-Staupe bleibt weiter unklar.

"Die Kinderstube Wattenmeer ist in Ordnung", betonte Heyken. Seit Jahren steige die Population. Bei routinemäßigen Kontrollflügen waren Mitte August 6841 Seehunde gezählt worden. Darunter befanden sich auch 1334 Jungtiere. Der Vorjahresbestand wurde damit um 258 Tiere übertroffen. Seit Beginn der koordinierten Zählungen im Jahre 1958 gab es noch nie so viele Seehunde im niedersächsischen Teil der Nordsee. Verursacher des massenhaften Seehundsterbens ist das "Phocine Distemper Virus" (PDV), das dem Staupevirus bei Hunden ähnelt. Der Erreger schwächt das Immunsystem der infizierten Tiere. Sekundärerkrankungen führen schließlich zum Tod. Vor 14 Jahren hatte das Staupe-Virus die Seehundpopulation in Nord- und Ostsee nahezu halbiert.

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