NATO-Übung tötet Wale
Kanarische Inseln: Massensterben von Schnabelwalen
Nach Angaben von der DRG strandeten am 24. September 15 Schnabelwale an den Stränden der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. Im selben Gebiet fand zeitgleich ein groß angelegtes Manöver der NATO statt, bei dem auch Sonartechnik von enormer Schallstärke eingesetzt wurde. 58 Schiffe, sechs U-Boote, 30 Flugzeuge und 9.000 Soldaten waren an dem Manöver beteiligt. Inzwischen strandete ein weiteres Tier und eines wurde tot im Meer treibend gefunden. Experten der Universität La Palmas de Gran Canaria äußerten als erste den Verdacht, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den Manövern und dem Stranden der Wale besteht.
Die veterinärmedizinische Untersuchung der toten Tiere ergab inzwischen, dass mehrere Wale Blutungen im Gehirn und im empfindlichen Innenohr aufwiesen, die möglicherweise durch die starke Schalleinwirkung entstanden sind. Die Annahmen, dass die Tiere durch die Frequenzen orientierungslos geworden sind, hat sich bestätigt.
Die jetzige Massenstrandung ist aber nicht das einzige Zwischenfall dieser Art, berichtet die DRG. Seit 1985 kam es bereits sechs Mal zu Massenstrandungen auf den Kanarischen Inseln. In vier Fällen war zeitgleich eine erhöhte militärische Aktivität verzeichnet und ein Zusammenhang mit dem Tod der Wale vermutet worden. Ähnliche Fälle ereigneten sich außerdem 1998 auf den Bahamas und im Jahr 2000 auf Madeira.
Der Fall auf den Bahamas erregte große Aufmerksamkeit, da es wie im aktuellen Fall auf den Kanaren eine enge zeitliche Verbindung zwischen militärischen Aktionen und den Strandungen gab. Nach intensiven Studien von unabhängigen Wissenschaftlern strengte auch die US-Navy eigene Untersuchungen an. Die Navy hat, nach dem ursprünglichen Abstreiten jeglicher Zusammenhänge, aber eine Schuld am Tod der Wale eingestanden.
"Auch beim aktuellen Fall auf den Kanaren wird es für die NATO sehr schwierig werden, sich aus der Affäre zu ziehen. Die Aufmerksamkeit ist enorm groß und der Verdacht liegt nahe, dass die Wale tatsächlich durch die enorme Lärmbelastung geschädigt wurden", so Fabian Ritter, Biologe der seit Jahren die Wale und Delfine der Kanaren erforscht. "Wahrscheinlich geraten die Schnabelwale, die sehr sensibel auf Schall reagieren, so stark in Panik, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als ihr angestammtes Element zu verlassen", erklärt der Biologe.
Umgekehrt sind auch die Befürchtungen der Kanarischen Regierung groß, da dieser Vorfall das Image der Inseln als Urlaubsparadies schädigt. Die Inseln sind eines der Top-Touristenziele weltweit. Hier gilt die Natur als noch intakt und die landschaftliche Schönheit zieht alljährlich Millionen Menschen an. Die Gewässer rund um die Inseln sind auch bekannt für ihr reiches Vorkommen an Walen und Delfinen.
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Am 01. Okt. 2002 unter:
politikStichworte:
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