Neue Bahn-Preise ab 2003

NABU findet neue Fahrpreise gut - Pro Bahn beklagt Nachteile für Stammkunden

Der Naturschutzbund NABU sieht im heute vorgestellten neuen Preissystem der Bahn deutlich mehr Chancen als Risiken. Zu den Gewinnern zählten vor allem Familien, Gruppenreisende und Frühbucher, sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth: "Wer in Zukunft mit seiner vierköpfigen Familie im Stau steht, ist selber schuld." Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Fahrgastverband PRO BAHN haben deutliche Nachbesserungen eingefordert. "Wer mit der Bahn ähnlich flexibel reisen möchte wie mit dem Auto, zahlt künftig drauf", stellten beide Organisationen fest. Vor allem Vielfahrer und Wochenendpendler würden durch die Abschaffung der "Bahncard 50" zu den Hauptbetroffen. Des weiteren kritisieren die Verbraucherverbände die überhöhten Gebühren bei Rückgabe des Fahrscheins.

Durch die Senkung der Kosten für die BahnCard, so der Nabu, werde die Hemmschwelle für deren Erwerb herabgesetzt und damit einer breiteren Klientel die Nutzung ermöglicht. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, den -- leider reduzierten - Rabatt mit anderen Rabatten zu kombinieren. Dadurch könne die Bahn eine Vielzahl neuer Kunden gewinnenn, so Flasbarth: "Besonders auf längeren Strecken werden niedrigere Preise dem Auto, aber auch dem Flugzeug Konkurrenz machen."

Positiv bewerte der NABU die angestrebten Lenkungseffekte durch das geplante Frühbuchersystem, das zu einer besseren Auslastung der Züge und damit zu mehr ökonomischer und ökologischer Effizienz beitragen soll. "Die Bahn soll das neue Preissystem aber nicht nur zur Nachfragelenkung, sondern auch zur Angebotssteuerung nutzen", forderte der NABU-Präsident. In besonders nachfragestarken Zeiten sollten in Zukunft zusätzliche Angebote geschaffen werden, um mehr Menschen den Umstieg auf die Bahn zu ermöglichen und Staus in Hauptverkehrszeiten auf den Straßen zu vermindern.

"Es kann nicht sein, dass gerade Stammkunden durch das neue Preissystem tiefer in die Tasche greifen müssen", so vzbv und PRO BAHN. Hingegen hatte die Deutsche Bahn bisher drastische Nachteile für Kunden im Nahverkehr (Preiserhöhungen bis zu 50 Prozent für Bahncard-Kunden) zurückgewiesen. Die Verbände raten allen Bahncardkunden, die häufiger mit der Bahn fahren, bis zum 14. Dezember (Stichtag) noch eine Bahncard 50 zu erwerben. Diese gelte dann noch ein Jahr. Der Umtausch in die neue Bahncard sei kostenlos und unter Anrechnung des Restwertes möglich.

Sofortigen Nachbesserungsbedarf sehen vzbv und PRO BAHN auch bei den Bedingungen für die Rückgabe von Fahrscheinen. Gebühren von bis zu 45 Euro seien eine Zumutung für die Fahrgäste. Derjenige etwa, der ein ICE-Ticket für die Strecke Berlin/Hamburg gekauft hat (Grundpreis ab 15. Dezember 47,60 EUR) und kurzfristig die Reise nicht antreten kann, zahle ohne jede Gegenleistung annähernd den ursprünglichen Reispreis als Stornogebühr. Auch stünde ein Rabatt von 10 Prozent bei einer frühzeitig gebuchten Fahrkarte in keinem Verhältnis zu einem möglichen Totalverlust, wenn der Fahrgast den gebuchten Zug durch eigenes Verschulden um wenige Minuten versäumt.

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