Prozess gegen mutmaßlichen Terroristen beginnt

Glaswände im Gerichtssaal

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ist am Dienstag vor dem Hamburger Oberlandesgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Terroristen Mounir El Motassadeq eröffnet worden. Generalbundesanwalt Kay Nehm klagt den 28-jährigen Studenten im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 3116 Fällen sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung an. Der Marokkaner Motassadeq war im November 2001 in Hamburg festgenommen worden. Der Gerichtskomplex und umliegende Straßen sind aus Sicherheitsgründen von der Polizei abgesperrt. Im Gerichtssaal wurden extra Glaswände eingebaut.

Nach Verlesung der Anklageschrift durch den Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof, Walter Hemberger, schilderte El Motassadeq, wie ihm Atta bei der Suche nach einer Wohnung in Hamburg-Harburg geholfen hatte Näher kennen gelernt habe er ihn bei regelmäßigen Gebeten in der Harburger Moschee. Später habe er sich auch privat mit Atta und anderen Studenten getroffen. "Dabei haben wir über religiöse und politische Themen geredet", sagte der 28-jährige Marokkaner. Nie habe er gehört, dass Atta den anderen etwas befohlen habe. "Er überzeugte uns als Person, war sehr ruhig und betete regelmäßig, hat aber keine Macht über andere ausgeübt", sagte der Angeklagte.

Über den Palästinakonflikt habe er mit Atta "nur allgemein" geredet. "Über einen solchen Akt wie die Selbstmordattentate haben wir nie gesprochen", beteuerte El Motassadeq. Er fügte hinzu: "Ich lehne Gewalt ab, Gewalt kann ein Problem nie lösen. Dass Atta so etwas gemacht hat, habe ich nicht erwartet und kann es bis heute nicht glauben." Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Albrecht Mentz, ob er selbst in Afghanistan gewesen sei, antwortete El Motassadeq nur mit einem kurzen Ja. Über Osama Bin Laden habe er sich mit seinen moslemischen Freunden in Hamburg nicht unterhalten.

Das Oberlandesgericht hat insgesamt Verhandlungstermine bis Ende Januar festgesetzt.

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