Für einheitliche Tierschutzstandards in der Landwirtschaft

Verbraucherzentralen veröffentlichen Katalog für artgemäße Fleischerzeugung

Die Verbraucherzentralen haben einen Kriterienkatalog für die artgemäße Erzeugung von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch veröffentlicht. Erstmals liegt damit ein umfassendes Gesamtkonzept vor, das für das unüberschaubare Angebot unterschiedlicher Markenfleischprogramme einen einheitlichen Standard für den Tierschutz formuliert. Bisher fehlen in der Fleischwirtschaft klare Vorgaben, wie den Verbrauchererwartungen nach artgemäßeren Haltungsbedingungen und damit mehr Tierschutz entsprochen werden kann. Ziel des auf der EuroTier in Hannover vorgestellten Konzepts ist es unter anderem, für die Erzeuger eine Messlatte für den Tierschutz zu definieren. Neben freiwiligen Instrumenten der Erzeuger fordern die Verbraucherzentralen schärfere gesetzliche Regelungen zur artgerechten Nutztierhaltung.

„Es ist absurd, dass zwar 80 Prozent der Verbraucher artgerecht erzeugtes Fleisch bevorzugen, dass aber eine klare Kennzeichnung bisher völlig fehlt“, sagte Jutta Jaksche, Agrarreferentin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). „Verbraucher können beim Fleischeinkauf den Tierschutz nur dann honorieren, wenn ein entsprechendes Angebot da ist.“ Seit 1995 haben die Verbraucherzentralen Markenfleischprogramme untersucht.

„Auf dieser Basis ist jetzt der bisher umfassendste Bewertungskatalog zur Erzeugung von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch entstanden“, erläutert Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen. Der Katalog setzt Mindest- und Zusatzkriterien für den gesamten Erzeugungsprozess fest. Schwerpunkte sind eine rückverfolgbare Herkunft, Fütterung, Haltung und Hygiene der Tiere, Transport und Schlachtung und schließlich Verkauf und Kontrolle.

Das deutsche Tierschutzgesetz fordert, dass Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. Trotzdem sind artgemäße Haltungsformen weiterhin wenig verbreitet - die schon vorhandenen Alternativen werden kaum eingesetzt. So werden mehr als 90 Prozent der säugenden Sauen angebunden, mehr als 80 Prozent der Mastschweine ohne Einstreu auf Spaltenboden gehalten. Zwei Drittel der Milchkühe werden noch angebunden, über 90 Prozent der Mastbullen in Vollspaltenbuchten gehalten.

Die Intensivhaltung ist nicht nur aus Tierschutz- und Umweltaspekten problematisch. Die Haltung vieler Tiere auf engem Raum macht die Tiere auch anfälliger für Krankheiten - der Einsatz von Medikamenten wiederum führt zu Rückständen im Fleisch. Hinzukommt das Problem von Antibiotikaresistenzen. „Artgemäße Alternativen sind schon jetzt wirtschaftlich machbar“, so Jutta Jaksche. „Eine von uns beauftragte Umfrage zeigt: Viele Verbraucher sind bereit, dafür auch mehr zu zahlen. Sie wollen sich aber auf eine entsprechende Kennzeichnung auch wirklich verlassen können.“

Kriterien für die Kennzeichnung von artgemäß erzeugtem Fleisch sind auch bei Geflügel dringend notwendig. Der Verbrauch an Geflügelfleisch ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent auf derzeit 18,9 Kilogramm je Kopf und Jahr angestiegen. Viele Verbraucher greifen, verunsichert durch die Skandale bei Rind- und Schweinefleisch, zum angeblich gesünderen Geflügelfleisch. Dem Fleischangebot aus intensiver und regional stark konzentrierter Produktion stehen jedoch erst wenige „alternative“ Angebote entgegen. Ziel der neuen Kriterien für die Erzeugung von Geflügelfleisch ist deshalb mehr Markttransparenz für die Verbraucher. Der Kriterienkatalog soll zugleich die Erzeuger ermutigen, in eine artgemäße und umweltgerechte Erzeugung einzusteigen.

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