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Zigarettenverkauf in Apotheken stößt auf Widerstand

Drogen

Experten und Bundesregierung lehnen den Zigarettenverkauf in Apotheken. Ein entsprechender Vorschlag stieß bei Vertretern von Apotheken, Krankenkassen und Kinderschutzbund auf Widerstand. Der Hamburger Hausärzteverband hatte den kontrollierten Verkauf von Zigaretten in Apotheken verlangt. Der Erwerb von Tabakwaren im Kiosk, Supermarkt oder am Automaten bagatellisiere die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens, sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich Hach am Donnerstag in Hamburg zur Begründung. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lehnte den Vorstoß ab: "Das könnte den Verdacht erregen, dass Zigaretten Medikamente sind. Das möchte ich vermeiden", sagte Schmidt. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Apothekerverband. "Apotheker sind keine Dealer", sagte Verbandsprecher Elmar Esser.

Die Arzneimittelverkäufer würden ausschließlich "gesundheitsfördernde Produkte" vertreiben. Das sei bei Zigaretten nicht der Fall. Ebenso wie Haschisch würden auch Tabakwaren von Apotheken nicht "kontrolliert" verkauft werden. Der AOK-Bundesverband zeigte sich ebenfalls skeptisch zum Vorstoß aus Hamburg.

Durch den Apothekenverkauf könnten Zigaretten eine "Aura des medizinisch Sinnvollen" bekommen, befürchtet AOK-Sprecher Udo Barske. Er plädiere vielmehr für eine Verteuerung von Tabak, für mehr Gesundsaufklärung oder für einen kontrollierten Zigarettenverkauf durch Automaten mit Chipkarte. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) unterstrich, der Apothekenverkauf würde das Problem nicht lösen.

DKHW-Sprecher Michael Kruse verwies darauf, dass heute schon Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren mit dem Rauchen anfingen. Kruse forderte die Abschaffung von Zigarettenautomaten - insbesondere in Schulnähe - sowie eine strengere Ausweiskontrolle in den Geschäften.

"Zigaretten sind gefährlicher als viele Medikamente", argumentiert dagegen Hach. Der Zugang zu Tabakwaren müsse erschwert werden. Vor allem Kinder dürften nicht so einfach wie bisher an "Glimmstängel" kommen. Apotheken seien für den Verkauf geeignet, weil sie auch andere Suchtmittel abgeben. Zudem könnten Apotheker die Kunden zugleich über den Ausstieg aus dem Tabak-Konsum beraten. Durch den "kontrollierten Zigarettenverkauf" könnte die Zahl der Raucher seinen Schätzungen zufolge in Deutschland um 30 bis 50 Prozent sinken. Der Verbandschef wollte aber nicht soweit gehen, eine Verschreibungspflicht für Tabakwaren einzufordern. Nach seinem Willen sollen Zigaretten auch in Apotheken rezeptfrei erhältlich sein. "Damit wird das Recht der Bevölkerung, sich selbst zu schädigen, nicht eingeschränkt", erläuterte der Arzt. Wer unbedingt zu "Kippe" greifen müsse, könne sich jederzeit eine Schachtel kaufen. Am Wochenende und in der Nacht, wenn die meisten Apotheken geschlossen haben, gebe es immer noch einen Notdienstschalter. Rückendeckung bekam der Arzt, der hauptsächlich Patienten mit durchs Rauchen verursachter chronischer Bronchitis, Gefäßveränderungen und Bronchialkrebs behandelt, vom Bundesverband der Hausärzte. Dessen Geschäftsführer Robert Festersen nannte Hachs Idee, den Verkauf von Zigaretten zu kontrollieren, prinzipiell richtig. Über die konkrete Ausgestaltung müsste man allerdings noch sprechen.

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