Weltbevölkerungsbericht 2002

Bevölkerungswachstum hemmt Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern

Mangelnde Gesundheitsversorgung und schnelles Bevölkerungswachstum gehören zu den Haupthindernissen bei der globalen Armutsbekämpfung. Dies geht aus dem diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2002 hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, am Dienstag in Berlin vorstellt. Obwohl sich in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern inzwischen eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums abzeichnet, ist der Zuwachs in den ärmsten Ländern nach wie vor sehr hoch: In den 49 am wenigsten entwickelten Ländern wird sich die Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren nahezu verdreifachen. Der Zuwachs der nächsten fünf Jahrzehnte wird damit das Wachstum der vergangenen 50 Jahre erheblich übertreffen.

"Investitionen in Gesundheit und Familienplanung sind unverzichtbar, um die Armut zu beenden", fordert DSW-Geschäftsführer Dr. Hans Fleisch. "Armutsbekämpfung in den ärmsten Ländern kann nur erfolgreich sein, wenn sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt." Länder, die in der Vergangenheit in Gesundheit und Familienplanung investiert haben, verzeichnen heute ein geringeres Bevölkerungswachstum und haben sich wirtschaftlich besser entwickelt als Länder, die nicht in Gesundheit investiert haben, so der UNFPA-Bericht.

Fast ein Drittel des weltweiten Fertilitätsrückgangs zwischen 1972 und 1994 ist auf Familienplanungsprogramme zurückzuführen. Wenn arme Familien in Entwicklungsländern viele Kinder haben, steht pro Kopf oft weniger an ohnehin knappen Ressourcen zur Verfügung. Aufgrund der höheren Konsum-Ausgaben können diese Familien weniger Rücklagen bilden und weniger in die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder investieren. Menschen, deren Gesundheit von Kindheit an beeinträchtigt wurde und die nur wenig Bildung erwerben konnten, haben auch im Erwachsenenalter kaum Chancen, ihrer Armut zu entkommen.

Investitionen in die Gesundheit, insbesondere von Frauen, trügen daher wesentlich zur Armutsbekämpfung bei. In Entwicklungsländern stellen Gesundheitsprobleme rund um Sexualität und Fortpflanzung, insbesondere jedoch Schwangerschaft und Geburt, ein Fünftel aller gesundheitlichen Probleme dar.

1980 waren 18,9 Prozent der Weltbevölkerung absolut arm, d.h. fast jeder Fünfte musste mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen. Wäre die Fertilität im Laufe der 1980er Jahre in allen Ländern um nur etwa 0,5 Prozent zusätzlich zurückgegangen, wie es in vielen Ländern Asiens der Fall war, wäre nach UN-Schätzungen die weltweite Armut um ein Drittel gesunken - auf heute 12,6 Prozent, also rund ein Achtel der Weltbevölkerung.

Bereits 1994 hat sich die Weltgemeinschaft auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz auf das Ziel geeinigt, Gesundheitsversorgung rund um Verhütung, Schwangerschaft und Geburt allgemein zugänglich zu machen.

Von diesem Ziel sind viele der ärmsten Länder noch weit entfernt - auch weil die Geberländer ihren finanziellen Verpflichtungen bislang nicht nachkommen. Im Jahr 2000 haben die Industrieländer weniger als die Hälfte der 1994 zugesagten Mittel für diese Bereich zur Verfügung gestellt.

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