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Psychostress beeinflusst den Körper

Krankheiten

Heidelberger Wissenschaftler haben erstmals molekulare Veränderungen durch psychische Belastungen beim Menschen nachgewiesen. Durch mehrere Studien wurde wissenschaftlich bereits belegt, dass psychosozialer Stress auf die Dauer krank macht. Jene, die am Arbeitsplatz unter Druck stünden, kaum sozialen Rückhalt hätten und dem Leben wenig positive Seiten abgewinnen könnten, hätten ein höheres Risiko für arteriosklerotische Gefäßschäden und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall, berichten Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg.

Laut den Forschern aktivierten Menschen in einer Stress- Situation ein bestimmtes Protein in ihren Körperzellen. Dieses Protein löse Entzündungen und Abbauprozesse aus und halte diese in Gang, so die Erklärung des Forscherteams von Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Schlüsselmolekül der Stressreaktion ist der Transkriptionsfaktor NF-kappaB, der eine wichtige Rolle bei chronischen Erkrankungen und beim Altern spiele. Dieser werde nicht nur durch Stresshormone wie Adrenalin oder Noradrenalin aktiviert, sondern auch durch Verletzungen der Zelloberfläche oder molekulare Veränderungen bei der Zuckerkrankheit.

Für den Nachweis der Stressreaktionen wurden 19 Testpersonen, davon acht Männer und elf Frauen, unter 30 Jahren den so genannten "Trier Social Stress Test" unterzogen. Wesentliche Bestandteile dessen sind ein freier Vortrag und das Lösen von Mathematikaufgaben vor Zuhörern. Vor und nach dem stressreichen Test wurde jeweils Blut entnommen: Bei 17 der 19 Testpersonen war NF-kappaB in bestimmten Blutzellen (Monozyten) gestiegen, begleitet von erhöhten Stresshormonen im Blut, die von den Nebennieren ausgeschüttet werden. "Dass erhöhte Konzentration von Adrenalin oder Noradrenalin im Blut langfristig Schäden an Blutgefässen verursachen können, ist schon lange bekannt. Wir konnten jetzt erstmals die komplette Kettenreaktion von der psychischen Belastung über die Ausschüttung von Hormonen bis zu molekularen Veränderungen im Zellkern aufzeigen", erklärt Nawroth.

Für die Heidelberger Wissenschaftler sei der molekulare Nachweis von Stress der Einstieg in eine neue Ära der Stressforschung, so ser Forscher. Wegweisende Informationen erhoffe sich der Stoffwechselspezialist von einer mehrjährigen klinischen Studie an Diabetespatienten. Diese stünden aufgrund ihres entgleisten Zuckerstoffwechsels andauernd unter Stress. Bereits jetzt würden die Studienergebnisse aber in die Patientenbetreuung einfließen. "Wir beurteilen den Gesundheitszustand unserer Patienten nicht nur anhand chemischer Messwerte wie Blutzucker- oder Cholesterinspiegel", so Nawroth. Auch die psychosoziale Situation fände Eingang in die Behandlungsstrategien, denn sie habe, wie die Stress-Studien gezeigt habe, wesentlichen Anteil am Fortschreiten der Krankheit. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) publiziert.

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