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Jedes siebte Kind in Deutschland lebt in Armut

Grundsicherung

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) dringt auf weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland. Notwendig seien unter anderem flexiblere Beschäftigungsangebote vor allem für Alleinerziehende, ausreichende Angebote für die Kinderbetreuung sowie eine Grundsicherung durch ein einkommensabhängiges Kindergeld, sagte der AWO-Vorsitzende Manfred Ragati bei der Vorstellung einer neuen Studie über "Armut im frühen Grundschulalter". Aus dem "Kreislauf von Armut durch Einkommensbenachteiligung sowie verminderte Bildungschancen" sei nur schwer zu entkommen, betonte der AWO-Vorsitzende. "Armut wächst mit", fügte Ragati hinzu.

Nach wie vor könnten Kinder "zu einem Armutsrisiko werden". Ragati zufolge zeigt die Studie, dass "Kinder, die heute in Armut leben, arm bleiben und auch ihre Kinder wieder arm sein können".

Die im Auftrag der AWO erstellte Studie des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) führt eine im Jahr 2000 abgeschlossene Untersuchung der Lebenssituation von knapp 900 sechsjährigen Kindern fort. Im Mittelpunkt der jetzt vorgelegten Studie standen 185 Kinder, bei denen in der Vorgänger-Untersuchung "multidimensionale Benachteiligungen und Entwicklungsdefizite" festgestellt wurden. In 27 Fallbeispielen wurde dabei die Situation der jetzt acht Jahre alten Kinder detailliert untersucht.

Nach den Worten von Ragati hat sich die Situation der beobachteten Kinder und Familien bis auf wenige Ausnahmen verschärft. Die Armut habe sich verfestigt und der Gesundheitszustand der Kinder oftmals verschärft. Aus der Armutsfalle auszubrechen" gelinge auch deshalb nur selten, weil die Bildungschancen armer Kinder deutlich geringer seien, fügte Ragati hinzu.

Die stellvertretende Direktorin des ISS und Ko-Autorin der Studie, Gerda Holz, verwies darauf, dass noch immer jedes siebte Kind in Deutschland in Armut lebe. Die Sozialhilfedaten zeigten seit Mitte der 80er Jahre einen "ungebrochen Anstieg" der Armut bei Kindern und Jugendlichen, der erst Ende der 90er Jahre aufgefangen worden sei.

1998 habe die Zahl der betroffenen Kinder die Millionengrenze überschritten. Dank eines "ganz leichten Abwärtstrend" sei sie 1999 wieder etwas unter diese Marke gesunken. Allerdings könne mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit auch die Zahl der von Armut betroffenen Kinder wieder zunehmen.

Holz nannte es eine Folge der Armut, dass die betroffenen Kinder in einem "belasteten Familienklima" aufwüchsen. Die Eltern seien zunehmend überfordert, weil sie durch die Anstrengungen zur Existenzsicherung kaum Ressourcen für die Erziehung und Förderung ihrer Kinder haben. Dies betreffe vor allem Mütter, die nach wie vor fast allein für die Kinder verantwortlich seien.

Mit der Einschulung würden die Kinder beginnen, die "Möglichkeiten zwischen Arm und nicht Arm" zu vergleichen, fügte Holz hinzu. Dabei bedeute Armut bei Kindern im frühen Grundschulalter beispielsweise, nicht mit Freunden ins Kino oder Schwimmbad gehen zu können. Im Gegensatz zu Sechsjährigen würden Kinder mit acht Jahren auch ihre "defizitäre" Lage wahrnehmen, etwa hinsichtlich der schlechteren Wohnungssituation oder der fehlenden Konsum-Möglichkeiten. Eine Folge davon könne aggressives Verhalten sein. Auch hätten fast alle der befragten armen Kinder "gesundheitliche Beeinträchtigungen" wie chronische Erkrankungen.

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