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Hilfsleistungen für arme Länder könnten stark beschnitten werden

Irak-Krieg

Nicht nur die Bevölkerung des Irak wird unter dem Krieg leiden. Die Gefahr, dass die Kriegskosten Hilfsleistungen für arme Länder stark beschneiden, ist groß. Zwölf Milliarden Dollar im Monat wird den Vereinigten Staaten der Bombenkrieg gegen den Irak kosten, schätzt der Guardian. Den 180sten Teil davon, etwa 65 Millionen Dollar, wollen die USA für die Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten an Essen, Wasser, Unterkunft, Hygiene und Medizin ausgeben. Das "Öl für Essen"- Hilfsprogramm für den Irak wird vorerst eingestellt, gab der UN-Generalsekretär Kofi Annan am Montag vergangenerWoche bekannt. Die Zukunft für Millionen Menschen sieht düster aus. Der Krieg zieht Geld von notwendigen Projekten für die Bekämpfung des Hungers nicht nur im Irak ab, weite Teile Afrikas sind davon betroffen und Afghanistan, was umso trauriger ist, weil gerade im letzten kriegerischen Konflikt des Westens großmütige Versprechen gemacht wurden, die offensichtlich so schnell in Vergessenheit geraten wie alte Zeitungen.

"Der Konflikt wird nicht das Ende bedeuten", versprach Tony Blair auf einer Parteiversammlung. Gemeint war aber weder der Irakkonflikt noch Blairs politische Karriere - die Rede wurde im Oktober 2001 gehalten - , sondern die Verpflichtung gegenüber dem afghanischen Volk: Drei Monate später, so der Guardian, schätzte die UN die nötige Summe für den Wiederaufbau Afghanistans auf 10 Milliarden Dollar. Die USA, die bis dahin 4,5 Milliarden Dollar für die Bombardierung des Landes ausgegeben hatten, boten 300 Millionen Hilfszuweisungen für das erste Jahr an. Und weigerte sich, irgendein Versprechen für die folgenden Jahre abzugeben. In diesem Jahr "vergaß" George W. Bush ein Hilfs-Budget für Afghanistan aufzustellen. Der Kongress zwang ihn schließlich dazu, weitere 300 Millionen bereitzustellen.

Mehr als 60 Prozent der irakischen Bevölkerung sind laut "World Food Programms" vollkommen von der Hilfe durch das "oil for food"- Programm abhängig. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten eine Million Kinder an Unterernährung sterben. Die UN hat nach eigenen Angaben nicht die nötigen Kapazitäten und Mittel, um die im Kriegsfall drohende humanitäre Katastrophe abzuwenden. Man ist auf die Unterstützung der USA und ihrer Verbündeten angewiesen. Nur wenige glauben, dass die nötigen Überlebensmittel an die Zivilbevölkerung auch dann noch in genügender Menge ausgegeben werden, sobald das Medieninteresse am Irakkrieg schwindet.

Die Bilanzen sprechen gegen eine optimistischere Sichtweise. 70 Prozent der Bevölkerung in Eritrea werden von der UN als vom Hungertod gefährdet klassifiziert. Von den 163 Millionen Dollar, die sich die UN zur Linderung der katastrophalen Lage von den reichen Ländern erbeten hatte, wurden gerade mal ganze 2,5 Prozent - 4 Millionen - überwiesen. Kein Einzelfall: Burundi, das drittärmste Land der Welt, bekam 3 Prozent der erhofften Unterstützung; Liberia 1,2 Prozent; das vom Lassa-Fieber heimgesuchte Sierra Leone 1 Prozent und Guinea, das eben 82.000 Flüchtlinge von der Elfenbeinküste aufgenommen hat 0,4 Prozent. Das meiste Geld für diese Länder, die im Schatten der globalen Aufmerksamkeit liegen, stammt übrigens von Staaten mit relativ kleiner Wirtschaft wie Norwegen, Schweden, Kanada und Irland.

Afghanistan dürfte irgendwo in der Mitte der Liste stehen. Die Hilfszuwendungen betragen immerhin 8,4 Prozent der benötigten Summe. Weil das Land bankrott ist, flog Präsident Karzai Anfang März nach Washington in der Hoffnung, dass George Bush noch ein paar Dollars mehr für den Aufbau des Landes übrig hat - immerhin, so der Guardian, lassen sich die Amerikaner die Jagd auf Al-Qaida jeden Monat das Doppelte des jährlichen afghanischen Budgets kosten. Karzai bekam 50 Millionen. Davon soll er gemäß der US-Auflage 35 Millionen Dollar in den Bau eines 5-Sterne Hotels in Kabul investieren.

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