Irak-Krieg
Britisch-amerikanische Streitkräfte beschießen und verhaften Journalisten
Eine vierköpfige Gruppe unabhängiger Journalisten, Dan Scemama und Boaz Bismuth aus Israel und Luis Castro und Victor Silva aus Portugal, beschuldigen die US-amerikanische Militärpolizei, ihnen "die schlimmsten 48 Stunden ihres Lebens" bereitet zu haben. Die Vier hielten sich in der Nähe einer US-Militäreinheit zwischen den Städten Kerbala und Najaf auf, als sie am 25. März aus dem Schlaf gerissen und festgenommen wurden. Obwohl sie ihre Presseausweise zeigten, wurden sie bedroht, misshandelt und in einem Jeep über 36 Stunden lang festgehalten. Sie durften weder ihre Nachrichtenagenturen noch ihre Familienangehörigen verständigen.
"Die US-Soldaten warfen uns vor, wir seien Terroristen und Spione, und so behandelten sie uns auch", sagt Scemama, der für den israelischen Fernsehsender Channel One arbeitet. "Sie wollen allen Journalisten, die aus dem Irak berichten, einen Verbindungsoffizier an die Seite stellen, um die Berichterstattung zu kontrollieren. Für mich besteht kein Zweifel darüber, dass sie uns deshalb so schlecht behandelt haben", ergänzt er weiter. Die Vier hatten den Eindruck, dass die US-amerikanische Armee alles daran setzt, die Bewegungsfreiheit unabhängiger Reporter einzuschränken.
Journalisten aus Kuwait berichteten, auch dort seien Kollegen bedroht und über mehrere Stunden verhört worden. Britische und US-amerikanische Militärs hätten außerdem verhindert, dass unabhängige Journalisten die Grenze zum Irak passieren konnten.
Der Kameramann des arabischen Senders Al Dschasira, Akil Abdel Reda, wurde am 29. März von US-amerikanischen Soldaten über 12 Stunden lang festgehalten und verhört. Ein Sprecher von Al Dschasira in Katar meldete, ihr Kameramann sei verhältnismäßig gut behandelt worden. Der Sender betonte, sie hätten die US-amerikanischen Behörden vor Kriegsausbruch über ihre Präsenz im Irak informiert. Der Kameramann war mit seinem Team in einem zivilen Fahrzeug unterwegs, um über die Lebensmittelvergabe irakischer Behörden in Basra zu berichten, als britische Panzer das Feuer eröffneten.
Der US-amerikanische Journalist und Freelancer, Phil Smucker, vom Christian Science Monitor in Boston und Daily Telegraph in London, wurde von US-Militärs aus dem Irak ausgewiesen mit der Begründung, er habe durch sein Interview mit dem Sender CNN am 26. März die Sicherheit einer Militäreinheit gefährdet, weil er zu detaillierte Informationen veröffentlicht habe.
Vier Journalisten des britischen Senders ITN gerieten am 22. März in Basra unter Beschuss. Der britische Journalist Terry Lloyd kam bei dem Feuergefecht ums Leben, von dem französischen Kameramann Frédéric Nerac und dem libanesischen Übersetzer Hussein Othman fehlt seitdem jede Spur. Reporter ohne Grenzen hat US-General Tommy Franks aufgefordert, eine Untersuchung einzuleiten und den Vorfall aufzuklären. Aufgrund der Ereignisse ist die Organisation vor allem um die Sicherheit von Journalisten besorgt, die nicht zu den "eingebetteten" Reportern zählen.
Außerdem fordert Reporter ohne Grenzen die irakischen Behörden auf, den Verbleib von vier Journalisten aufzuklären, die seit einer Woche als vermisst gelten. Nach Aussagen ausländischer Korrespondenten in Bagdad sollten die Vier abgeschoben werden. Seitdem fehlt jede Spur. Zwei Reporter der US-amerikanischen Tageszeitung Newsday, der Peruaner Moises Saman und der Brite Matthew McAllester, wurden zuletzt am 24. März im Hotel Palestine in Bagdad gesehen. Journalisten vor Ort berichteten, dass die beiden abgeschoben werden sollten, weil sie mit einem Touristenvisum eingereist seien. Auch die US-amerikanische Fotoreporterin und Freelancerin, Molly Bingham, sowie Johann Spanner von der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten, sollten ausgewiesen werden.
Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!
Am 02. Apr. 2003 unter:
welt-onlineStichworte:
« Neuregelung für Minijobs gilt - bis zu 400 Euro abgabenfrei verdienen
Mit Pflanzenöl im Traktortank den Acker bestellen »
Unterstützen Sie uns, damit wir ohne störende Werbung gelesen werden können. Ihre freie kostenlose Internetzeitung!
Setzen Sie Banner und Links auf Ihre Seite. Bookmarken Sie uns, und helfen Sie so mit der Verbreitung der wichtigen Inhalte.
Wir suchen Journalisten bzw. Autoren, die Lust haben, die Internet-Zeitung ngo-online gemeinsam zu einer starken Alternative zu den Mainstream-Medien aufzubauen. Machen Sie mit ..MITMACHEN
Platzieren Sie
Ihre Werbung hier
- NRW Justiz: Die Landesregierung ist gefordert
- Senioren: Alt ist, wenn man Seniorenresidenz googelt
- Christian Wulff - Wenn Machtmenschen menscheln
- Diskurs der Rechtspopulisten über Israel
- Photovoltaik-Zubau in Deutschland
- Versammlungsfreiheit - ausschlaggebende Grundlage der Verfassung
- „Cottbus Nazifrei!“ - DASS ist ein MUSS
- Arbeitsrecht: EuGH Urteil enttäuscht
- Finca Mallorca und andere Schnäppchen
- Windenergie wieder auf gutem Weg
