Umweltbundesamt bestätigt

Bei Vollgas wird der Katalysator abgeschaltet

Bei vielen Automodellen werden Drei-Wege-Katalysatoren bei höherer Geschwindigkeit oder starker Beschleunigung elektronisch abgeschaltet - die Abgase werden also nicht mehr entsprechend gereinigt. Diese gängige Praxis der Hersteller bestätigte jetzt das Umweltbundesamt (UBA). Vor allem bei schwächer motorisierten Kleinwagen und Mittelklasse-Pkw sei dies häufig der Fall, wenn sie schneller als 120 Stundenkilometer fahren oder mit mehr als 70 Prozent ihrer PS-Leistung laufen. "Die Praxis ist weit verbreitet", sagt UBA-Experte Axel Friedrich. "Auch Automodelle, die nach Herstellerangaben die derzeit schärfste Abgasnorm Euro IV einhalten, verwandeln sich so in gefährliche Dreckschleudern." Messungen ergaben, dass ohne Abgasreinigung durch einen Katalysator deutlich mehr giftige und Krebs erregende Substanzen wie Benzol oder Ammoniak aus dem Auspuff quellen. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Abgastests wird dies aber nicht entdeckt - der Prüfzyklus reicht nur bis 120 km/h.

Bei der eigentlich verbotenen Abschaltung des Katalysators nutzen die Hersteller ein Schlupfloch, um mehr PS aus ihren Motoren zu kitzeln. In "Extremfällen", etwa zur Vermeidung von Überhitzung beim Beschleunigen, lässt das Gesetz "Ausnahmen" zu. Der Verband der Automobilhersteller argumentiert, die Hersteller hielten "die gemeinschaftlichen Zulassungsvorschriften ein". Zudem sei die Praxis, etwa bei Überholmanövern, ein Beitrag zur "Verkehrssicherheit". Technisch ist es nach Expertenangaben kein Problem, die Abgasreinigung in allen Fahrsituationen sauber zu steuern.

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