Holocaust

Sinti und Roma noch immer benachteiligt

Anlässlich des Internationalen Tages der Roma fordert die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl ein Bleiberecht für die langjährig in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Roma-Flüchtlinge aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Die Organisation schließt sich damit dem unter anderem von Paul Spiegel, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden, unterzeichneten Berliner Appell an. Der Berliner Appell verweist auf die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber den 500.000 Opfern des Holocaust unter den europäischen Sinti und Roma. Die Situation ihrer Nachkommen sei in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien besonders prekär, so die Menschenrechtsorganisation.

Zehntausende von ihnen sind in den 80er und 90er Jahren aus allen Teilen Jugoslawiens geflohen und haben hierzulande Schutz vor Diskriminierung, Verelendung, Vertreibung und erzwungenen Militärdienst gesucht.

"Es ist zynisch, dass sich deutsche Politiker und Behörden mit Roma hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt ihrer schnellstmöglichen Abschiebung in Staaten befassen, in denen sie wie Paria leben und verelenden", so Marei Pelzer von Pro Asyl. Die Verweigerung des Bleiberechts für Roma ist ein Indiz für selektiv praktizierte historische Verantwortung. Während sich die Politik zu einem besonderen Verhältnis der Deutschen zu den Juden und zur Verantwortung für den Holocaust bekennt, blieben Roma hierzulande lediglich "Ausländer".

Unter den Roma, die an verschiedenen Orten Deutschlands im letzten Jahr für ein Bleiberecht demonstriert haben, hätten sich nicht wenige befunden, bei denen Familienangehörige Opfer des deutschen Völkermordes auf dem Balkan geworden seien.

Die Organisation beklagt zudem, dassVorurteile gegenüber Sinti und Roma hierzulande bis hinein in Politik und Behörden hoffähig seien. Für die Menschen, die ohne verlässlichen rechtlichen Status leben sei der Alptraum ihrer Geschichte nicht vorbei.

Die Nationalsozialisten hatten Juden und Roma im faschistischen Programm der unterschiedslosen Vernichtung gleichgestellt. Heute jedoch, wenn es um ein Bleiberecht als eine mögliche Geste des Entgegenkommens gehe, bleiben Roma außen vor. Es bedürfe nun nach Jahrzehnten der Verdrängung endlich der Umkehr, die Forderung nach einem Bleiberecht sei aktueller denn je.

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