Artenschutz
Deutsche Unternehmen an Zerstörung des indonesischen Regenwaldes beteiligt
Durch industrielle und illegale Rodungen wird Tesso Nilo im Zeitraffer in riesige Plantagen umgewandelt. Die auf diesen Plantagen gewonnenen billigen Rohstoffe landen schließlich als Kopierpapier, Kartonage, Margarine und Süßigkeiten in europäischen Büros und Haushalten. "Um den immensen Hunger nach billigem Holz, Papierzellstoff und Palmöl zu stillen, wird mit den Tesso Nilo-Regenwäldern ein ökologisches Juwel durch den Schredder gejagt", so WWF-Tropenwaldexperte Martin Geiger.
Der WWF fordert die indonesischen Behörden auf, das Kerngebiet von Tesso Nilo sofort zum Nationalpark zu erklären und ihm damit den höchst möglichen Schutz zu gewähren.
Mit den Papier- und Zellstoffunternehmen verhandelt der WWF derzeit darüber, dass sie die geplante Vernichtung weiterer Regenwaldflächen nicht durchführen. Außerdem fordern die Umweltschützer, dass die in Tesso Nilo engagierten Banken ihren Einfluss geltend machen, um die letzten verbliebenen Waldflächen noch zu retten. Der WWF verlangt außerdem, dass sie künftig keine Gelder mehr in die Zerstörung tropischer Regenwälder investieren und ökologisch und soziale Standards entwickeln und veröffentlichen, nach denen sie Kredite vergeben.
Tesso Nilo liegt zwischen drei bereits bestehenden Schutzgebieten. Der WWF schlägt vor, diese mit dem geplanten Nationalpark Tesso Nilo und untereinander durch so genannte Wildtierkorridore zu verbinden. So könne ein 600.000 Hektar großes Schutzgebiet entstehen, in dem sich die hier lebenden Tiere wieder frei bewegen können. Dieses Gebiet wäre mehr als doppelt so groß wie das Saarland.
Der Raubbau in Tesso Nilo gefährdet vor allem die vom Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten: Zwar lebt in der indonesischen Provinz Riau, in der Tesso Nilo liegt, die größte noch verbliebene Elefantenpopulation Sumatras - doch die Tiere finden in den schrumpfenden Wäldern immer weniger Rückzugsgebiete. Die Folge: Auf der Suche nach Nahrung weichen die Elefanten in die Plantagen und Siedlungen aus, sodass Zusammenstöße mit den Dorfbewohnern und Waldarbeitern unvermeidlich sind und bereits zum Alltag gehören. Nicht selten enden diese Konflikte für die Dickhäuter tödlich.
"Wir fordern die Unternehmen in den Konsumentenländern auf, nur noch Produkte zu verkaufen, für die keine Elefanten sterben müssen!", stellt Martin Geiger klar. In Deutschland vertreibt zum Beispiel die Firma Papier Union Papier aus der Provinz Riau. Dieses stammt aus Plantagen, für die in den vergangenen zehn Jahren der ursprüngliche Regenwald gerodet wurde. Die WWF-Studie liefert Hinweise dafür, dass auch andere deutsche Unternehmen Papier und Zellstoff aus Indonesien importieren. Das Papier wird in Deutschland unter anderem unter den Markennamen Paper One und Golden Plus verkauft. Die genaue Herkunft kann in den meisten Fällen jedoch nur sehr schwer bestimmt werden.
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