Entführt im Kaukasus

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen weiterhin verschwunden

Neun Monate nach der Entführung von Arjan Erkel, Projektleiter der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Nordkaukasus, haben russische Ermittler der Organisation versichert, dass er am Leben ist. Weiterhin bleibe jedoch ungeklärt, wo der Mitarbeiter sich befindet, wer ihn entführt hat und was die Motive für die Entführung sind, berichtet die Organisation. Der 33-jährige Niederländer Erkel wurde am 12. August 2002 in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala von drei bewaffneten Unbekannten entführt. Die Menschenrechtsorganisation geht davon aus, dass seine Freilassung nur erreicht werden kann, wenn es dafür einen starken politischen Willen seitens der russischen Behörden gibt.

"Wir haben uns in letzter Zeit mehrmals mit russischen und dagestanischen Verantwortlichen getroffen, die mit diesem Fall betraut sind. Sie haben uns gegenüber bestätigt, dass Arjan Erkel ihren Ermittlungen zufolge am Leben ist. Doch weil sie nicht wissen, wo er sich befindet, können sie seine sichere Freilassung nicht garantieren", sagte Dr. Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen.

Obwohl sie mehrfach um ein Gespräch mit Vertretern des Büros von Präsident Putin gebeten habe, sei der Organisation dieses Treffen bislang verweigert worden.

"Bis Arjan Erkel frei ist, fällt es schwer zu glauben, dass es seitens des Kremls ein wirkliches Interesse an humanitärer Hilfe im Nordkaukasus gibt", sagte Rostrup. Arjan Erkel sei der einzige ausländische Mitarbeiter einer humanitären Organisation, der zurzeit im Kaukasus entführt ist. Jedoch erhielten humanitäre Organisationen seit Monaten Drohungen. Darüber hinaus sei es wiederholt zu Entführungen gekommen. Allein im Jahr 2002 seien mindestens vier Helfer entführt worden.

"Entführungen von Zivilisten, einschließlich humanitärer Helfer, sind furchtbare Verbrechen", sagte Rostrup. Sie gefährdeten nicht nur das Leben und die psychische Gesundheit der Helfer, die Opfern von bewaffneten Konflikten zur Seite stehen wollten. Die Angst vor weiteren Übergriffen beeinträchtige außerdem die Aktivitäten von Hilfsorganisationen in einem beträchtlichen Maße.

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