Tiefwasser-Korallenriff

Norwegens Regierung schützt Korallen

Nachdem im vergangenen Jahr im Nordatlantik vor den Lofoten im Norden Norwegens das größte Tiefwasser-Korallenriff der Welt entdeckt und unter Schutz gestellt wurde, kündigte die Norwegische Regierung am heutigen Mittwoch weitere Schritte an, um die einmaligen Kaltwasserkorallen vor weiterer Zerstörung zu bewahren. Das berichtet die Umweltorganisation WWF. Das zwei Kilometer lange Tisler Riff im Grenzgebiet zu Schweden solle nunmehr ebenfalls tabu für Fischerei, Öl- und Gasbohrungen werden. Auf dem rund 100 Jahre alte Tisler Riff im Skagerrak leben in einer Tiefe von 75 bis 150 Meter Seefedern, Seesterne, Seeigel Schwämme, Krebstiere und zahlreiche Fischarten.

Der WWF begrüßte die Entscheidungen als richtungsweisend und zeichnete sie als so genanntes "Geschenk an die Erde" aus. Norwegen sei das erste europäische Land, das Anstrengungen zum Schutz von Kaltwasserkorallen umgesetzt habe. "Die Entscheidung kommt im Vorfeld der anstehenden Konferenz der Anrainerstaaten zum Schutz von Nordostatlantik (OSPAR) und Ostsee (HELCOM), die vom 23. bis 27. Juni in Bremen stattfindet, wie gerufen", so sich Stephan Lutter.

Der Leiter der WWF-Delegation auf der Konferenz, hofft auf Nachahmer: "Wir müssen den weitgehend unerforschten Lebensraum überall in Europa besser schützen, um Kaltwasserkorallen als

Kinderstube für zahlreiche Fischarten zu erhalten."

Im Gegensatz zu tropischen Riffen, die wegen ihrer großen Artenvielfalt und ihrer Bedeutung für Fischerei im Blickpunkt stünden, seien Kaltwasserkorallen lange Zeit vernachlässigt worden. Der WWF schätzt, dass bereits mehr als ein Drittel dieser kostbaren, langsam wachsenden Lebensräume durch Boden- Schleppnetze und Meeresverschmutzung stark geschädigt oder vernichtet wurden. Die Organisation appelliert daher an die zuständigen Minister, auf der OSPAR-HELCOM Konferenz dafür zu sorgen, dass Gebiete mit Kaltwasserkorallen für die Bodenfischerei gesperrt werden, wie vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) empfohlen worden sei. Die Regionen um die empfindlichen Riffe müssten zudem von Öl- und Gasbohrungen ausgenommen werden. Nur so könne man den zerbrechlichen Lebensraum nachhaltig sichern.

"Die Einrichtung von Meeresschutzgebieten macht nur Sinn, wenn auch gegen die Zerstörung auf See vorgegangen wird." so Lutter. Noch immer blockierten mehrere Fischereinationen und die EU die Verabschiedung einer Liste gefährdeter Arten und Lebensräume im Meer und damit verbunderner Fischereimaßnahmen.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!