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Islands Forschungsprogramm als Walfang enttarnt

55. Tagung der Internationalen Walfangkommission

Mit einem Paukenschlag hat heute in Berlin die Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) begonnen: Auf seinen eingereichten Antrag auf "Wissenschaftswalfang" hat Island vernichtende Reaktionen erhalten: 40 renommierte Wissenschaftler aus 25 Ländern bescheinigen dem nordischen Inselstaat in einem gemeinsamen Statement, dass der Antrag auf die geplante Forschung an 200 Finn-, 100 Sei- und 200 Zwergwalen ein Täuschungsmanöver sei, um das kommerzielle Walfangverbot zu umgehen. Island erhoffe sich so Millionenumsätze durch den Export von Walfleisch nach Japan, so Biologin Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Die 40 anerkannten IWC-Wissenschaftler verweisen dabei auf das Fehlen jeglicher Forschungserkenntnisse aus Islands früheren Aktivitäten. In ihrer Stellungnahme heißt es: "In nahezu allen Punkten ist der isländische Antrag völlig unzureichend.... Die Ziele der Studie sind entweder nicht relevant ... oder können wesentlich effektiver mit Methoden erforscht werden, für die kein Wal sterben muss." Die Forscher sehen damit in Islands Plänen einen Missbrauch der IWC-Regelungen.

Island hat im März diesen Jahres bei der IWC einen Antrag eingereicht, nach der im Rahmen eines zweijährigen "Forschungsprogramms" insgesamt 500 Wale getötet würden. Angeblich wolle man die ökologischen Auswirkungen der Wale auf die schwindenden Fischbestände untersuchen. "Das ist ein plumper Versuch, die Wale für die Überfischung der Meere verantwortlich zu machen. Doch den Kollaps von Hering, Kabeljau & Co. hat einzig und allein die rücksichtslose Überfischung durch hochtechnisierte Fischfangflotten verursacht", betont Altherr.

Bereits in den 80er Jahren nutzte Island die für die Wissenschaft geltende Ausnahmeoption vom Walfangverbot und tötete 1986 bis 1989 insgesamt 362 Finn- und Seiwale. Das Fleisch der Tiere ginge fast vollständig nach Japan. Und die Geschichte drohe sich zu wiederholen: Im Februar diesen Jahres erklärte der isländische Premierminister auf einer Pressekonferenz in Tokio, dass die Wiederaufnahme des Wissenschaftswalfangs nur rentabel sei, wenn Exporte von Walfleisch nach Japan möglich wären. "Vor allem mit Finnwalen, den zweitgrößten Tieren der Erde, erhoffe sich Island den großen Reibach", so Altherr. Das Fleisch dieser Tiere ist in Japan hochbegehrt.

Auch im Falle einer Absage der IWC an Islands Forschungsvorhaben ist das Land hierdurch nicht gebunden und könnte trotzdem bereits in diesem Sommer mit dem Walfang beginnen. "Der strenge internationale Gegenwind gibt Island allerdings eine Ahnung davon, wie viel Porzellan es durch ein eigenmächtiges Vorgehen auf politischer, diplomatischer und auch wirtschaftlicher Ebene zerschlagen würde", erläutert Altherr. Islands Wirtschaft beruht weitgehend auf dem Export von Fischprodukten. Hauptabnehmer hierfür sind v.a. Deutschland, Großbritannien und die USA - und gerade hier wird kommerzieller Walfang eindeutig abgelehnt.

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