Reaktionen auf Greenpeace-Aktion

UN-Experten sollen Zugang zu radioaktiv verseuchten Gebieten im Irak bekommen

Die Greenpeace-Aktion am gestrigen Dienstag bei der irakischen Nuklearanlage Tuwaitha zeigt nach Angaben der Initiatoren erste Wirkung: Ein Gesundheits- und Strahlenexperte des US-Militärs unterstütze die Forderung von Greenpeace-Aktivisten, den UN-Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) uneingeschränkten Zugang zu gewähren. Sie sollen das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung der umliegenden Dörfer bewerten, die durch Plünderung der Atomanlage entstanden sei. Bislang ließen die Besatzungsmächte den Einsatz der UN-Organisation nur für begrenzte Aufgaben innerhalb der Anlage zu und verweigerten ihr umfassende Untersuchungen der Region und ihrer Menschen.

Leutnant Colonel Mark Melanson, der das "US Army Center for Health Promotion and Preventative Medicine" leitet, sagte gegenüber Greenpeace: "Ich empfehle der IAEA und der WHO, sich einzumischen und eine Beurteilung der Lage abzugeben. Beide Institutionen waren bereits in ähnlichen Fällen eingebunden.“ Je schneller dies passiere, desto besser.

Aktivisten hatten einen auf öffentlichen Boden zurückgelassenen, großen Behälter für radioaktives Urangemisch zur Nuklearanlage zurückgebracht und ein Transparent entfaltet mit der Aufschrift: "Nukleares Desaster in Al Tuwaitha - Handelt jetzt" ("Nuclear disaster in Al Tuwaitha - Act now").

"Wir begrüßen die Stellungnahme des US-Militärs vor Ort. Nun müssen schnell Taten folgen", fordert Stefan Schurig, Leiter des Greenpeace-Energiebereichs in Deutschland. "Unser Team findet täglich weitere Orte, wo die Strahlenbelastung tausendfach höher liegt als der Normalwert.“ Ein nukleares Desaster könne nur verhindert werden, wenn das Gebiet sofort unter die Kontrolle der Atomenergiebehörde gestellt werde.

Die US-amerikanischen und englischen Truppen hätten nach dem Einmarsch im Frühjahr diesen Jahres in den Irak versäumt, die Nuklearanlage vor Plünderungen zu schützen, so die Kritik der Umweltschützer. Hochradioaktives Material und Fässer mit Urangemischen seien in den Dörfern als Baumaterial und Trinkwasserbehälter genutzt worden. Die Ärzte der Region Tuwaitha wären beunruhigt, weil die Menschen Symptome von Strahlenkrankheit zeigten wie Blutungen und Erbrechen. Sie gingen davon aus, dass es in den nächsten Monaten zu Krebserkrankungen kommen werde.

Die IAEO hatte noch im April von den Besatzungsmächten verlangt, die Kontrolle der Anlage so schnell wie möglich zu übernehmen, und vor der Gefahr von Plünderungen gewarnt. In Tuwaitha lagerten bis zum Sturz von Saddam Hussein im April 2003 Uran und andere nukleare Stoffe, die seit dem Golfkrieg 1991 unter der Kontrolle der Vereinten Nationen waren.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!