Leiden von Zootieren
Zwei Orang-Utans tot - Zoo Magdeburg muss Affenhaus schließen
PRO WILDLIFE hatte wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz Strafanzeige gegen den Zoo erstattet und protestierte gegen die Pläne der Zooleitung, neue Orang-Utans für das Affenhaus zu besorgen. Die Tierschützer fordern die sofortige Umsiedlung in adäquate Gehege und den dringenden Bau von Freigehegen für Orang-Utan Dame Puan und die ebenfalls im Affenhaus untergebrachten Schimpansen und Krallenäffchen.
Im Frühjahr 2000 wurde das vier Millionen teure, hochmoderne Affenhaus im Zoo Magdeburg fertiggestellt - mit todschickem Design, aber ohne Außengehege für die Tiere. Nur drei Jahre und zwei tote Orang-Utans später wird das Haus wegen Schimmelpilzbefall geschlossen. Experten hatten seit langem vor der Gesundheitsgefahr für die Tiere gewarnt. Im Oktober 1999 hatte der Zoo im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) zwei Orang-Utan Weibchen aus Heidelberg und ein junges Männchen aus Dortmund bekommen. Für die Tiere eine tödliche Entscheidung: Orang-Utan-Mädchen Sa-Puloh, 1994 im Zoo Heidelberg geboren, starb als erste: Im Juli 2001 erlag sie einer Lungenentzündung. Bereits damals wurden auch bei den beiden anderen Tieren Lungenschädigungen festgestellt. Die behandelnden Tierärzte kritisierten die Luftbedingungen im neuen Tropenhaus. Dies wurde aber vom Zoodirektor damit abgetan, im Regenwald sei es nun mal stickig.
Orang-Utan-Junge Batak, 1993 im Zoo Duisburg geboren, wurde am 31. Januar 2003 wegen Zahnproblemen operiert und starb noch in der Narkose. Die Autopsie ergab, dass auch Batak schwer lungenkrank war. Wieder wies der Zoo einen Zusammenhang mit den stickigen Haltungsbedingungen zurück. Orang-Utan-Weibchen Puan, 1989 im Zoo Heidelberg geboren, leidet seit Monaten unter Atemnot und Schleimauswurf -Folgen einer schweren chronischen Lungenentzündung. Nach Ansicht von Tierärzten hat der Orang-Utan nur wenig Überlebenschancen.
Lange wies die Zooleitung jegliche Mitverantwortung am Leiden und Sterben der Orang-Utans zurück. Trotz der Todesserie hat der Zoo bereits beim EEP Nachschub für das Orang-Utan-Gehege bestellt. "Dies zeigt die skandalöse Mentalität der Zooleitung: Orang-Utans als Verbrauchsartikel", kritisiert Biologin Dr. Sandra Altherr von PRO WILDLIFE. Die Tierschützer haben beim EEP-Koordinator für Orang-Utans bereits Einspruch gegen die Abgabe weiterer Orang-Utans nach Magdeburg eingelegt. PRO WILDLIFE hat zudem Strafanzeige gegen die Zooleitung in Magdeburg erstattet: "Die Zooleitung hat über Jahre die Augen vor den Problemen verschlossen und somit den Tod der Orang-Utans mitverschuldet", so Altherr abschließend. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
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