Deutschland wichtiger Absatzmarkt für bedrohte Wildvögel

EU soll Import indonesischer Papageien verbieten

Indonesiens letzte Papageien werden rücksichtslos geplündert, ein Großteil der illegalen Wildfänge in die EU exportiert. Deutschland ist dabei einer der wichtigsten Absatzmärkte selbst für vom Aussterben bedrohte Arten. Darauf weist Pro Wildlife hin. Zwar habe die EU im Oktober 2001 ein Importverbot für einen der gefährdetsten indonesischen Papageien, den Gelbwangenkakadu, erlassen, doch diese Maßnahme erweise sich als zahnlos: "In den letzten Jahren exportiert Indonesien zunehmend Papageien, die angeblich gezüchtet wurden. Dabei handelt es sich um illegale Wildfänge, die einfach zu angeblichen Nachzuchten umdeklariert werden", erläutert Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer. Sie fordert von der EU, den Import aller indonesischer Papageien zu stoppen: "Deutschland als wichtiger Abnehmer trägt hierbei eine besondere Verantwortung."

In Indonesien sei der Fang von Papageien streng geregelt - allerdings nur auf dem Papier: Für einige Arten gebe es niedrige Fangquoten, für bedrohte Arten wie Gelbwangen- oder Molukken-Kakadu gelte gar ein totales Fang- und Handelsverbot. Doch die Wirklichkeit sehe anders aus. Nach Pro Wildlife vorliegenden Informationen ist der Vogelhandel in Indonesien völlig außer Kontrolle: Die auf den Vogelmärkten Indonesiens angebotenen Papageien stammten nahezu ausnahmslos aus freier Wildbahn. Zu den begehrtesten Papageienarten aus Indonesien zählten Gelbwangen-, Weißhauben- und Molukken-Kakadu, Edel- und Rotsteiß-Papageien sowie Loris. Existierende Fangquoten würden massiv überschritten, Fang- und Handelsverbote ignoriert.

Allein über 8.000 der vom Aussterben bedrohten Gelbwangen-Kakadus seien seit 1990 in den internationalen Handel gelangt, entweder direkt aus Indonesien oder über den Umweg aus Drittstaaten. Auf die zunehmende internationale Kritik an der Plünderung seiner Papageienbestände reagierte Indonesien inzwischen mit einem Exportverbot für Wildfänge. "Eine Farce, denn die Exporteure kaufen die wild gefangenen Papageien und deklarieren diese Tiere anschließend im internationalen Handel zu "Nachzuchten" um. So wird auch das EU-Importverbot für wildgefangene Gelbwangen-Kakadus aus Indonesien unterlaufen", betont Pro Wildlife-Sprecherin Freyer.

Gegen einen Teil der involvierten Exporteure ermittele Interpol wegen Artenschmuggel. Trotzdem lieferten diese Händler weiterhin ungehindert Papageien auch nach Deutschland.

Die indonesischen Artenschutzbehörden bestätigten die Schwierigkeiten, den Vogelhandel zu kontrollieren und die angeblichen Nachzuchten zu überprüfen. Trotzdem stellten sie regelmäßig die erforderlichen Papiere aus und legalisierten damit die Tiere für den internationalen Handel.

Pro Wildlife fordert von Deutschland und der EU unmittelbare Konsequenzen: "Das zuständige Bundesamt für Naturschutz sollte umgehend die EU zu einem Importstopp aller Papageien aus Indonesien bewegen - nicht nur für Wildfänge, sondern auch für die angeblichen Nachzuchten", so Freyer. Deutschland solle zudem dringend für vom Aussterben bedrohte Arten wie den Gelbwangenkakadu ein weltweites Handelsverbot beantragen.

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