Greenpeace testet Lebensmittel

Ein Viertel der Weintrauben überschreitet Grenzwert für Pestizide

Rund ein Viertel der Trauben in den großen Supermarktketten erreicht oder überschreitet nach Untersuchungen von Greenpeace die Grenzwerte für Pestizid-Rückstände. In 23 von 26 Traubenproben befänden sich Reste von Pestiziden, in rund der Hälfte liessen sich vier oder mehr Spritzmittel nachweisen, in einem Fall sogar acht. Das ist eines der Analyse-Ergebnisse von mehreren Obst- und Gemüsesorten, die das EinkaufsNetz, die Greenpeace-Verbraucherorganisation, bei den Handelsgruppen Lidl, Metro, Rewe, Aldi, Edeka, Tengelmann und Karstadt-Quelle gekauft hat. Unter den in Trauben gefundenen Pestiziden seien die möglicherweise Krebs erregenden Stoffe Dimethoat und Ethofenprox gewesen, zudem Chlorpyriphos und Fenitrothion, die vermutlich schon in kleinsten Mengen hormonell wirksam seien und die Fortpflanzung stören könnten.

Der am heutigen Freitag veröffentlichte Report über die von März bis August untersuchten insgesamt 100 Stichproben belege, dass Produkte in Supermärkten häufig die Grenzwerte für Pestizide überschreiten, so die Umweltschutzorganisation.

Überwiegend betroffen von Pestizidfunden seien Läden der Gruppen Lidl, Rewe (Minimal, HL, Penny) und Metro (Kaufhof, Real, Extra). Besonders viele und hohe Pestizid-Rückstände steckten in Paprika, Trauben und Erdbeeren.

"Es ist ein Skandal! Der Lebensmittelhandel bringt immer wieder belastetes Obst und Gemüse auf den Markt, das teilweise wegen überschrittener Grenzwerte nicht verkauft werden dürfte", sagt Eckehard Niemann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. Der Handel solle künftig nur noch pestizidfreie Lebensmittel anbieten, die auch von Kleinkindern bedenkenlos gegessen werden könnten, fordert die Organisation.

Pestizide seien auch bei einzelnen Proben von Salat, Mango, Kiwi, Zucchini und Chili-Gewürzpulver gefunden worden. Obst und Gemüse aus Mittelmeerländern sei meist deutlich stärker belastet gewesen als holländische oder deutsche Ware. In Bio-Märkten sei das untersuchte Obst und Gemüse - bis auf einen Fall mit geringfügiger Belastung - frei von Pestiziden. Als erfreulich werten die Umweltschützer, dass in Beeren relativ wenige Rückstände und oft sogar keine Schadstoffe gefunden wurden.

Greenpeace kritisiert, dass selbst wenn die Behörden Verstöße feststellten, der Verbraucher bisher wegen fehlender Rechtsgrundlagen meist nichts davon erfahre. Greenpeace fordert daher von der Bundesregierung, das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) auf den Weg zu bringen. Dann hätten Verbraucher ein Recht auf Informationen rund um alle Lebensmittel. Das VIG würde den Behörden ermöglichen, auch die Namen von Firmen und Produkten zu nennen. "Wenn bei jedem Pestizidfund der Verantwortliche benannt wird, dann verbessert sich die Lage für den Kunden sehr schnell", erklärt Niemann. "Die Nennung einzelner schwarzer Schafe würde verhindern, dass ganze Branchen in Verruf gebracht werden."

Das EinkaufsNetz, die Verbraucherorganisation von Greenpeace, setzt sich seit 1997 für mehr Sicherheit und Qualität bei Lebensmitteln ein.

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