Afghanistan

Beistand für Frauen im Kabuler Gefängnis

14. Okt. 2003

Die Frauenrechts - und Hilfsorganisation medica mondiale führt ihr Engagement für inhaftierte Frauen in Afghanistan fort. Mit einem vom Auswärtigen Amt der Bundesregierung geförderten Pilotprojekt unterstützen einheimische Juristinnen Insassinnen im Kabuler Frauengefängnis. Geschäftsführerin Dr. Monika Hauser berichtet nach einem Kabul-Besuch von ersten Erfolgen. Ziel der Initiative ist es zunächst, afghanische Juristinnen und Gefängnispersonal für die Situation der Häftlinge zu sensibilisieren, so dass sie gemeinsam die in der afghanischen Verfassung verbrieften Rechte einfordern und umsetzen.

Bereits wenige Wochen nach Start, so berichtet Dr. Monika Hauser nach ihrer Rückkehr aus Kabul, seien "erstaunliche Erfolge" zu verzeichnen. 19 Frauen werden derzeit in Kabul von einheimischen Rechtsanwältinnen im Auftrag von medica mondiale betreut, eine Frau konnte aufgrund dessen bereits aus der Haft entlassen werden. Die anderen Insassinnen, so Hauser, "werden sich ihrer Rechte immer bewusster und trauen sich aufgrund dieser Rückenstärkung immer mehr, ihre Rechte auch einzufordern. Wie zum Beispiel, nicht ohne Rechtsanwältin vor den Richter treten zu müssen."

Die meisten Insassinnen des Gefängnisses sitzen dort wegen des Verstoßes gegen moralische "Verbrechen" ein, eine strafbare Handlung haben sie jedoch nicht begangen. So kann eine Frau schon inhaftiert werden, wenn sie sich einer Vergewaltigung widersetzt hat. Aufgrund umfangreicher Aufklärung durch die medica mondiale-Mitarbeiterinnen, erläuterte Hauser, werde auch dem Gefängnispersonal mittlerweile immer deutlicher, dass es sich bei den Inhaftierten nicht um "schmutzige" Frauen handelt, sondern "dass die afghanische Unterdrückungs-Gesellschaft "schmutzig" ist!", so Hauser weiter. Auch die Gewalthandlungen gegen die Inhaftierten gingen darauf hin deutlich zurück. Medica mondiale plant, die Initiative mittelfristig auch auf andere Regionen Afghanistans auszuweiten.