Nach dem Bürgerkrieg
Berufliche Ausbildung und Integration für Jugendliche im Kosovo
Unterstützt wurde das Projekt auch vom Hilfswerk Renovabis der deutschen Katholiken und den Rotary Clubs Arnsberg und Drachten. Das Projekt geht auf konkrete Anfragen junger Menschen aus dem Kosovo zurück, die im Bürgerkrieg 1999 in den provisori-schen Unterkünften der Don-Bosco-Zentren von Tirana und Scutari in Albanien Zuflucht fanden. Viele junge Flüchtlinge nahmen hier eine schulische oder berufliche Kurzzeitausbildung auf.
Nach ihrer Rückkehr in den Kosovo stellte sich die Frage nach der Fortführung dieser Ausbildung. Die italienische Partnerorganisation von "VIS" (Volontariato Internazionale per lo Svilupo) erstellte im Auftrag von JUGEND DRITTE WELT eine Studie über die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes und die Ausbildungssituation im Land. Das Resultat zeigte eine schwere Krise des Bildungswesens: Von 2.3 Mio. Bürgern des Kosovo verfügten 1996 insgesamt 1.479.280 über keinen Schulabschluss. Nur 34,5 Prozent der unter 15-Jährigen hatten die Grundschule beendet. 17,3 Prozent besaßen den Realschulabschluss und nur 3,3 Prozent hatten ein Studium an einer Universität abgeschlossen.
Abgesehen von einem mangelhaften Bildungsniveau fehlt es bis heute auch an Schulmaterial und Lehrern. Viele Lehrer sind nur notdürftig ausgebildet. Die von VIS und JUGEND DRITTE WELT in Abstimmung mit staatlichen Stellen entwickelten Berufsbildungspläne wurden nach europäischen Anforderungen entwickelt. Die erste von JUGEND DRITTE WELT finanzierte Projektphase beinhaltet die Ausbildung von Elektromechnikern. Die ersten Ausbildungskurse beginnen bereits am 1. November diesen Jahres.
Neben einer angemessenen Berufsausbildung und der Hinführung zur modernen Technik soll auch Unterricht in Informatik, Betriebswirtschaft und Sprachen angeboten werden. In einer späteren Projektphase ist auch die Weiter- und Fortbildung der Lehrerschaft im Don Bosco Zentrums in Pristina vorge-sehen. Auch in anderer Hinsicht bedeutet das Zentrum einen wichtigen Meilenstein für junge Menschen im Kosovo: zum ersten Mal wird im Kosovo nicht nach Geschlecht getrennter Unterricht erteilt, wodurch auch die Eingliederung der Frau ins Berufsleben gefördert werden soll.
"Ich bin wirklich froh, dass diese Berufsschule eine wichtige Brücke zur Integration der verschiedenen Gesellschaftsschichten darstellt. Neben muslimischen Jugendlichen werden in diesem Zentrum auch Jugendliche der serbischen Minderheit aufgenommen. Gemeinsam sollen sie Talente und Fähigkeiten entwickeln, um als mündige Bürger auch einen Beitrag zum Aufbau der Zivilgesellschaft zu leisten", sagt Salesianerpater Karl Oerder, der als Vertreter von JUGEND DRITTE WELT gemeinsam mit Staatspräsident Ibrahim Rugova und Antonio Raimondi von VIS die Eröffnung des Zentrum in Pristina vornahm.
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