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IG Farben-Stiftung soll für "Zocker-Aktionäre" Geld einklagen

"Opfer missbraucht"

Aktionäre der insolventen IG Farben wollen die Schweizer Großbank UBS auf Entschädigung von rund 2,2 Milliarden Euro für ehemaliges Eigentum verklagen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Dazu wollen sie sich der 1999 gegründeten IG-Farben-Stiftung für Entschädigungen bedienen. "Die Stiftung wurde auf Beschluss der Hauptversammlung 1999 gegründet, um überlebende Zwangsarbeiter zu entschädigen, aber nicht, um Aktionäre reich zu machen", kritisiert der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Henry Mathews, die "Zocker-Aktionäre". Sie "missbrauchen die Opfer des einstigen Nazi-Konzerns, um weiterhin ihre eigenen Taschen zu füllen", so Mathews.

"Die ehemaligen Liquidatoren Otto Bernhardt und Volker Pollehn haben bei der Insolvenz der Firma in der vergangenen Woche ganz bewusst ihre Vorstandsposten in der von der Firma gegründeten Stiftung behalten, um nun skupellosen Aktionären zu einer neuen Chance zu verhelfen", schimpft der kritische Aktionär. Die Kritischen Aktionäre fordern seit Jahren, die Leitung der Stiftung an die Zwangsarbeiter oder von ihnen benannte Vertreter zu übertragen.

"Gerade ein CDU-Bundestagsabgeordneter wie Otto Bernhardt sollte sich schämen, mit späten Nazi-Profiteuren gemeinsame Sache zu machen", entrüstet sich Mathews in bewusster Anspielung auf jüngste Vorgänge in der CDU Bundestagsfraktion. "Ein Mitglied der Schweizer Historiker-Kommission hat uns kürzlich bestätigt, dass die IG Farben keinerlei rechtliche Ansprüche auf Vermögenswerte der UBS besitzt", berichtet Mathews. "Gleichwohl steht die UBS in einer moralischen Verpflichtung gegenüber den Opfern der ehemaligen IG Farben, und es ist unerträglich, dass geldgierige Zocker diesen moralischen Aspekt jetzt zu eigenen Gunsten ausnutzen wollen, um den Zwangsarbeitern dann eventuell einen kleinen Teil der Milliarden gnädig abzutreten." Eventuelle Zahlungen sollen nach Angaben von Bernhardt zwischen zwischen den Aktionären, den Anwälten und den ehemaligen Zwangsarbeitern "in etwa gedrittelt" werden.

Der IG-Farben-Liquidator Volker Pollehn hatte vergangene Woche erklärt, die Forderungen der IG-Farben-Gläubiger könnten voraussichtlich aus dem Restvermögen bedient werden, während die Aktionäre und die ehemaligen Zwangsarbeiter des Konzerns vermutlich leer ausgingen. Eigentlich hatte die schwer in die NS-Diktatur verstrickte IG Farben bereits vor Jahrzehnten aufgelöst werden sollen. Dazu kam es jedoch bisher nicht. Die Aktien wurden die gesamte Zeit an der Börse gehandelt, wohl in Spekulation auf Vermögenswerte.

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