Frankreich
Staatlicher Untersuchungsbericht ermittelt Bienensterben durch BAYER-Pestizid
Die 108-seitige Studie wurde im Auftrag des französischen Landwirtschaftsministerium von den Universitäten Caen und Metz sowie vom Institut Pasteur durchgeführt. Der Einsatz von GAUCHO auf Sonnenblumen wurde in Frankreich vor vier Jahren wegen des hohen Risikos für Bienen verboten. Das Bienensterben ging daraufhin jedoch kaum zurück - Imker machen hierfür den großflächigen Einsatz des Agrogifts im Maisanbau verantwortlich.
Der Abschlussbericht des CST stützt diese These: "Was die Behandlung von Mais-Saat mit GAUCHO betrifft, so sind die Ergebnisse ebenso besorgniserregend wie bei Sonnenblumen. Der Verzehr von belasteten Pollen kann zu einer erhöhten Sterblichkeit von Pflegebienen führen, wodurch das anhaltende Bienensterben auch nach dem Verbot der Anwendung auf Sonnenblumen erklärt werden kann".
Das Pestizid GAUCHO (Wirkstoff Imidacloprid) wird vom deutschen BAYER-Konzern hergestellt. Mit einem Umsatz von über 500 Millionen Euro jährlich ist der Wirkstoff die Nummer eins im Agro-Sortiment des Konzerns. Kritiker vermuten, dass die hohen Verkaufszahlen der Grund sind, weswegen sich das Unternehmen trotz der gravierenden Bienenschädlichkeit mit Händen und Füßen gegen das drohende Anwendungsverbot wehrt.
Fridolin Brandt von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: "Die deutschen Bieneninstitute hängen aufgrund staatlicher Unterfinanzierung von Aufträgen der Chemischen Industrie ab. Der BAYER-Konzern finanziert in einigen Instituten direkt die Gehälter der Mitarbeiter." Auch Dr. Brasse, bei der Biologischen Bundesanstalt zuständig für die Bewertung von GAUCHO, hat nach Informationen von Imkern in der Vergangenheit Aufträge von BAYER erhalten. "So erklärt sich, warum die Bieneninstitute und die BBA, die eigentlich die Sicherheit der Bienen garantieren sollen, keine BAYER-kritischen Studienergebnisse veröffentlichen", so Brandt weiter.
Die von den Bieneninstituten vorgebrachte These, der Befall mit Varroa-Milben sei für das Bienensterben verantwortlich, bezeichnet Fridolin Brandt als vorgeschoben: "Wir haben seit 1977 mit Varroa-Milben zu tun, jahrzehntelang waren diese keine Gefahr. Erst der großflächige Einsatz von Pestiziden und die damit einhergehende Schwächung der Bienen führt zu den beobachteten Bienensterben." Brandt ist seit 30 Jahren hauptberuflicher Imker.
Maurice Mary, Sprecher des französischen Imkerverbands Union National d´Apiculteurs (UNAF): "Seit der ersten Anwendung von GAUCHO haben wir große Verluste bei der Ernte von Sonnenblumenhonig. Da das Mittel bis zu drei Jahren im Boden verbleibt, können selbst unbehandelte Pflanzen eine für Bienen tödliche Konzentration enthalten." Die UNAF, die rund 50.000 Imker vertritt, forderte nach der Vorlage des Berichts des CST ein vollständiges GAUCHO-Verbot.
Auch der Deutsche Berufsimkerbund (DIBB) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern ein Anwendungsverbot. In Deutschland wird Imidacloprid unter den Markennamen GAUCHO und CHINOOK vor allem in der Raps-, Zuckerrüben- und Maisproduktion eingesetzt - mit über einer Million Hektar Anbaufläche ist die Behandlung von Raps für die Bienen besonders problematisch.
Die Situation in der deutschen Landwirtschaft ist vergleichbar mit der französischen: In den vergangenen Jahren starb hierzulande rund die Hälfte aller Bienenvölker, dies führte zu Ertragseinbußen von mehreren tausend Tonnen Honig pro Jahr. Da Honigbienen außerdem den größten Teil der Blütenbestäubungen erbringen, gehen auch die Erträge von Äpfeln, Birnen und Raps zurück.
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Am 20. Nov. 2003 unter:
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