Afghanistan
Befragung der Einwohner ergibt Sicherheit als wichtigstes Anliegen für Afghanen
Nach 23 Jahren Krieg sehen die Befragten eine realistische Chance für eine friedliche Entwicklung Afghanistans, wenn das Engagement für Sicherheit und Wiederaufbau jetzt deutlich verstärkt würde. 43 Prozent der Afghanen empfinden mangelnde Sicherheit als das Hauptproblem des Landes. Ein besserer Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Arbeitsplätzen zählen für 40 Prozent zu den dringendsten Bedürfnissen der Bevölkerung.
Die Einschätzung zum Thema Sicherheit unterliegt starken regionalen Unterschieden: In den befriedeten Regionen Afghanistans fühlen sich 83 Prozent der Befragten heute deutlich sicherer als noch vor drei Jahren. Sie denken positiv über die gegenwärtigen Entwicklungen und glauben zu 78 Prozent, dass das nächste Jahr und die anstehenden Wahlen eine positive Wende bringen.
Anders in den Regionen Gardez und Kandahar, hier glauben lediglich 30 Prozent an eine positive Entwicklung in Afghanistan, nur 23 Prozent fühlen sich derzeit sicher. Auf die Frage, was die Sicherheitslage verbessern könne, nannten die Studienteilnehmer eine landesweite Entwaffnung als erste Priorität. Der Auf- und Ausbau einer nationalen Polizei und Armee sowie politische Reformen seien weitere essentielle Schritte.
87 Prozent der für die Studie Befragten planen, sich an der 2004 anstehenden Wahl zu beteiligen. Die Durchführung freier und fairer Wahlen halten sie ohne Entwaffnung und eine Stabilisierung der Sicherheit jedoch für unmöglich. In Gardez hält es nur jede vierte Frau für wahrscheinlich, sich problemlos an den Wahlen beteiligen zu können.
Die Studienteilnehmer waren sich einig, dass Afghanistan die notwendigen Wandlungsprozesse für eine bessere Zukunft nur mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft leisten kann. 85 Prozent wissen von den finanziellen Zusagen der Geberländer, weniger als die Hälfte der Befragten vertraut jedoch darauf, dass die finanziellen Versprechen eingehalten werden.
"Die Studie ist das erste Ergebnis unseres neuen Bündnisses von 12 afghanischen und internationalen Hilfsorganisationen vor Ort. Sie ist ein erster Schritt, um der afghanischen Bevölkerung in der politischen und internationalen Diskussion um die Zukunft ihres Landes eine Stimme zu geben", sagt Paul O’Brien, Leiter von CARE Afghanistan und Sprecher des Bündnisses.
Auf Basis der Studienergebnisse fordern CARE, Oxfam und die Bündnispartner die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Sicherheitslage und Situation der Bevölkerung in Afghanistan aktiv zu verbessern durch: Entwaffnung der Milizen, Stärkung der nationalen Polizei und Armee, aktives Eintreten gegen die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen, eine verstärkte politische Repräsentanz, Wiederaufbauprogramme und Sicherheitsmaßnahmen im Süden und Südosten des Landes, ein deutliches Einbeziehen afghanischer Frauen in anstehende nationale und lokale politische Entscheidungsprozesse, das Einhalten geleisteter finanzieller Zusagen und das Bemühen um eine erfolgreiche politische Entwicklung hin zu einer starken Regierung, die nationale Einheit verkörpert und Legitimation sowie Glaubhaftigkeit durch die Bevölkerung erfährt.
Das Bündnis aus 12 afghanischen wie internationalen, in Afghanistan tätigen Hilfsorganisationen heißt "Human Rights Research and Advocacy Consortium". Seit Anfang 2003 engagiert es sich für Menschenrechte in und für Aufklärung zu Afghanistan. Mitglieder sind: Afghan Development Association, Afghan Independent Human Rights Commission, Agency for Rehabilitation and Energy-conservation in Afghanistan, CARE International, Coordination of Humanitarian Assistance, Cooperation for Peace and Unity, Mercy Corps, Ockenden International, Oxfam International, Rights and Democracy und Save the Children Federation Inc.
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