Neuer Schub für Atomkraft?
Siemens und Framatome bauen neues Atomkraftwerk
Der Bau des 1600 Megawatt-Reaktors soll 2005 beginnen, vier Jahre später soll das Atomkraftwerk ans Netz gehen. Am geplanten Standort stehen bereits zwei Meiler, in der Nähe soll ein "Zwischenlager" für den anfallenden Atommüll entstehen.
Der finnische AKW-Neubau hatte auch in Deutschland zu Streit geführt. Trotz des sogenannten Atomausstiegs in Deutschland hatte die rot-grüne Bundesregierung eine staatliche Förderung des Atomkraftwerks durch Hermes-Bürgschaften geprüft. Solche Bürgschaften sichern üblicherweise Lieferungen an Schwellen- und Entwicklungsländer ab, weil dort das Risiko relativ groß ist, dass der Käufer die Lieferung nicht bezahlt. Die Politik des bundeseigenen Kreditversicherers stößt regelmäßig auf massive Kritik bei Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, weil damit immer wieder ökologisch und sozial schädliche Vorhaben unterstützt werden. Siemens hatte dann allerdings freiwillig auf eine solche bei einem Verkauf nach Finnland recht unpassende Bürgschaft verzichtet. Auch in der EU-Kommission gab es offensichtlich Bedenken, ob eine solche Bürgschaft mit europäischem Recht vereinbar gewesen wäre.
Neben Finnland denkt auch Frankreich über den Bau von neuen Atomkraftwerken des Typs EPR nach. Diese sollen zwar weniger anfällig sein als die bisherigen Meiler, doch unter Experten gilt die Atomkraft aus grundsätzlichen Erwägungen als unbeherrschbar. Die Folgen eines Unfalls wären so enorm, dass Atomkraftwerke nur betrieben werden können, weil sie praktisch nicht versichert sind. Zwar beträgt die Deckungsvorsorge für Atomkraftwerke mittlerweile mit 2,5 Milliarden Euro zehnmal so viel wie früher - das ist in Anbetracht der Kosten einer Reaktorkatastrophe, die nach einer Studie des Prognos-Instituts aus dem Jahr 1992 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums fast fünfeinhalb Billionen Euro (5.500.000.000.000 Euro) betragen würden, aber immer noch verschwindend wenig. Doch selbst für die Versicherungssumme von nur 2,5 Milliarden Euro fand sich kein kommerzielles Versicherungsunternehmen, das das finanzielle Risiko vertretbar fand.
Eine Studie von Prognos Basel von 1992 schätzt die Erhöhung des Preises für Atomstrom durch eine ausreichende Deckungsvorsorge auf zirka eine Mark (51 Cent) pro Kilowattstunde.
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Am 18. Dez. 2003 unter:
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« Fütterung durch Touristen gefährdet Delfine
Gewerkschaften drohen Bundesregierung wegen Sozialabbau »
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